London VIII – Silver Vaults

Montag früh vor Tau und Tag mache ich mich auf nach Holborn, um erneut und diesmal mit mehr Zeit, in die Silver Vaults zu gehen. Wie bereits am Samstag wird am Eingang kurz, aber aufmerksam in meinen Rucksack geschaut und beim Anblick meiner Kamera eine Ermahnung über das Photographierverbot ausgesprochen. Dieses gilt allerdings nur in den Gängen. In den einzelnen Vaults darf, mit Einverständnis der Ladeninhaber, dann doch photographiert werden.

Ich lasse mich durch die Gänge treiben und schaue erstmal nach Läden, die Taschenuhren anbieten. Das sind nur wenige, einer hat sich insbesondere darauf spezialisiert. Das macht sich auch sofort in den Besonderheiten und somit auch Preisen für die einzelnen Stücke bemerkbar. Auch als ihm klar wird, dass seine Uhren meilenweit außerhalb meines Budgets liegen, erklärt mir der ältere Herr in diesem Vault mit einer ansteckenden Begeisterung die Mechanik der verschiedenen Uhren. Einige können nicht nur zur Stunde schlagen, sondern präzise über verschiedene Töne die genaue Zeit angeben. Ich staune und vertrödele so mal eben vollkommen fasziniert mehr als eine Dreiviertelstunde. Es wird aber schnell deutlich, dass die Taschenuhr, die ich bereits am Samstag fand, genau die richtige und auch noch im Preis vertretbar ist.

Als ich dem Laden (Vault 7) wieder auftauche, strahlt mich der Besitzer an und sagt grinsend zu seinem Bruder, er habe doch gewusst, dass ich wieder käme. Und mir erzählt er, dass ein anderer Ladeninhaber ihm eigentlich Samstag noch die Uhrenkette hatte abkaufen wollen, er ihn aber meinetwegen auf Montagabend vertröstet hatte. Ich unterhalte mich noch einige Zeit mit den Brüdern und schaue dabei schon mal hie und da auf Preise für Teekannen. Denn ebenso, wie ich im Großvaterauftrage etwas für meinen Bruder besorgen soll, hatte er mir aufgetragen, mir auch selber was Hübsches zu kaufen. Als begeisterter Teetrinker liegt da eine entsprechende Kanne nahe.

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Man weiß nicht, wohin man zuerst schauen soll

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Verdammt großer Sektkühler in der Mitte.

Ich stromere durch verschiedene Läden, schaue verschiedene Modelle an, vergleiche Preise, lasse mir die Stempel erklären, die Aufschluss über Jahr und Herstellungsort geben. Generell habe ich immer wieder einfach angenehme Unterhaltungen mit den Verkäufern. Einer vermutet mich aus Australien. Ich versteh das nicht. Erst recht nicht, seit ich die Aussies vor Ort hab reden hören. Nein, so klingt mein Akzent nun wirklich nicht.

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Diverse Kannen und andere Behältnisse.

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Dinge, die meiner Oma gefallen hätten.

Ich komme zu Vault 53, der, wie man mir sagte, mehr “Frauen-Dinge” haben soll. Mich sprechen die jetzt weniger an, ich brauche keine mit Emaille besetzten Döschen oder Handspiegel, aber ich mag sofort die warme Ausstrahlung, die mir von Linda entgegen kommt. Sie hat die für mich angenehme Mischung aus Aufmerksamkeit schenkend und in Ruhe gucken lassend. Ich schaue mich um, lasse mir eine Kanne zeigen, die mir gefällt und bin über den Preis sehr überrascht. Kannen im gleichen Stil aus ähnlichen Jahren und Manufakturen habe ich in anderen Vaults für einiges mehr gesehen. Es stellt sich später nach weiterer Recherche heraus, dass dies aber aus mehreren Gründen Sinn ergibt, nur mit schlechterer Qualität hat es zum Glück nichts zu tun.

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Das ist dann mehr meine Farbe.

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Die wiederum nicht so.

Linda bedient auch gerade eine Japanerin, die einen massiven Großeinkauf tätigt und ich signalisiere ihr, dass ich an der Kanne interessiert bin, aber später wiederkommen werde. Ich schaue mir zwischenzeitlich noch weitere Vaults an und kehre dann zu Linda zurück. Wir halten ein Schwätzchen, ich schaue mir noch die Taufbecher genauer an und schlage dann zu. Sie bittet darum, mir die Kanne erst später zuschicken zu dürfen. Ich gucke verdutzt. Sie würde sie gerne noch für mich überarbeiten und ordentlich polieren lassen, ohne Aufpreis, und dann auf ihre Kosten zu mir nach Hause schicken. Prima, dann muss ich das Ding jetzt nicht mitschleppen. Ich bin begeistert. (Es klappte auch hervorragend.)

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Kleiner Laden, große Auswahl. Vault 53.

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Tauf- und Sahnebecher.

 

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Miniaturgedöns.

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Noch mehr Miniaturgendöns.

Während vorhin noch die Japanerin bedient wurde, konnte ich ein paar Photos machen. Es ist nicht ganz einfach mit der Beleuchtung und ich hab auch wenig Ahnung davon, wie man mit den ganzen Glasfronten, Spiegeln und Lichtern am besten umgeht, aber als Teaser sind sie nicht ganz schlecht. Ich würde ohnehin jedem empfehlen, sich das alles selber anzuschauen. In Ruhe und mit viel Zeit. Und dann auch auf jeden Fall in Vault 7 bei Howard Linden und Vault 53 bei Linda Jackson vorbeizuschauen. Die beiden waren mir am sympathischsten. Und das lag nicht daran, dass ich dort etwas kaufte und dass die dort daher besonders freundlich und offen zu mir waren, sondern weil sie so waren und ich dort fand was ich suchte, kaufte ich dort besonders gerne.

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Schalen

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Noch mehr Dinge, die Oma gefielen.

Als ich in einer großen Schüssel mit Löffeln wühlte, war Linda auch sehr pragmatisch und unkompliziert: Kipp doch einfach alle auf den Teppich, dann siehst Du auch die, die ganz unten sind. Gesagt, getan.

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“Kipp einfach alles aus! Dann kannst Du besser schauen.”

Ich hätte sicherlich noch mehr Zeit dort verbringen können, aber wohl besser nach einer Pause, man hat sich irgendwann an Allem etwas übersehen. Die Augen springen hin und her und wenn man nicht recht gezielt guckt, dann kann es einen alles optisch erschlagen. Aber selbst wenn man nichts Konkretes sucht, was es mir einfacher machte, fokussierter in die großen Ausstellungsregale zu blicken, so wird man doch sicher auch fündig, denn auch für geringe Beträge gibt es schon schöne Stücke zu erstehen. Es gab auch noch einen Vault mit Schmuck, da hab ich aber nur ein bisschen geschaut und geschwatzt. Da ich so gut wie nie Schmuck trage, war das nur limitiert interessant für mich. Die Stücke waren aber sehr schick und durchaus nach meinem Geschmack.

Mehr über die Silver Vaults und ihre Geschichte gibt es auf dieser website. Dort findet sich auch eine Übersicht über die einzelnen Vaults und worauf die sich jeweils so spezialisiert haben. Der Tip meines Großvaters war nicht Gold wert, aber Silber, und somit goldrichtig. Und dadurch, dass ich von ihm von den Vaults erfuhr, hatte ich ihn irgendwie die ganze Zeit  bei mir.

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London VII – Sing-along with June

Sonntagabend: Nach einem wundervollen Grillnachmittag bei CC mache ich mich auf den Weg ins Duke of Kendal in Marble Arch. Dort gibt es seit Jahren am Sonntagabend den Sing-along with June. June war schon 80+ als ich das letzte Mal vor vier Jahren dort war. Meine Erleichterung und vor allem Freude war groß, festzustellen, dass June immer noch jeden Sonntag am Klavier im Duke sitzt. Als ich sie begrüße erzählt sie mir gleich, dass sie nächste Woche 89 wird, es sei ja unmöglich, dies zu verheimlichen. In meinen Augen hat sie sich tatsächlich nicht wirklich verändert.

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Duke of Kendal Pub in Marble Arch.

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June, gerade noch 88.

Sie sind wirklich etwas besonderes, diese Sing-along Abende. Das Repertoir der Lieder ist zum Großteil immer das gleiche, nur wenige Variationen, mal fällt eines weg, mal ein anderes. Bei einige Stücken singen alle mit, bei anderen werden die Strophen von den immer gleichen Stammgästen gesungen und im Refrain stimmen alle mit ein. Die meisten kennen sich seit Jahren.

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Alle singen mit, manchmal mit Soloeinlagen.

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June, Klaviervirtuosin.

Da ich im Südosten Londons wohnte und Marble Arch eher am anderen Ende liegt, konnte ich nicht ganz so häufig dort hin gehen, wie ich gerne wollte. Dennoch gibt es zwei, drei, die sich an mich erinnern und mich freudig begrüßen. Man kann die Stimmung nicht in Worte fassen, man muss es erlebt haben. Alles scheint einer ungeschriebenen Choreographie zu folgen, bis hin zur Endzeremonie, die auch immer die gleiche ist und bei der sich alle überkreuz an den Händen halten und beim Singen schunkeln. Das mag vielleicht kitschig klingen und ist auch irgendwie aus einer ganz anderen Zeit und doch ist es jeden Sonntag wieder eine einmalige und lohnenswerte Veranstaltung.

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Verkleiden tut sich meist nur dieser eine Herr für seine Soli.

Die meisten Lieder waren mir vor meinem ersten Sing-along gänzlich unbekannt, damals konnte ich nach ein paar Besuchen die meisten Refrains recht schnell mitsingen. Zu meiner großen Freude ist auch noch vieles im Kopf und ich singe strahlend mit. Ein Lied, von dem ich damals schon nicht herausfinden konnte, wie es heißt oder woher es stammt, wird heute wieder gesungen. Im Refrain wird sich im Kollektiv mit obszönen Handgesten über Hitler lustig gemacht (inklusive der einen oder anderen Beleidigung gegen Deutsche). Wie die meisten Lieder hier stammt es aus den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts. Als J, ein Stammgast und -sänger, sich nach diesem Lied wieder neben mich setzt, wird ihm plötzlich bewusst, dass ich ja Deutsche bin und fängt an sich zu entschuldigen. Ich finde das charmant, ich habe mich, weder heute noch damals, in irgendeiner Weise dabei angesprochen oder gar angegriffen gefühlt. Mich hat das immer eher amüsiert. So wie die meisten Lieder eher humoristisch und zum Teil sehr frech sind. Meinen sense of humour hat es zumindest immer getroffen.

Zwei wunderbare Stunden, in denen ich für eine Weile vergaß, je von hier weg gewesen zu sein, sind vergangen. Auf dem Heimweg muss ich aufpassen, nicht aus Gewohnheit nach Hause zu fahren. Ich falle glücklich, hundemüde und mit diversen Ohrwürmern ins Bett.

Ein kleiner Eindruck, was für Lieder hier so gesunden werden:
Sogar direkt eine Aufnahme aus dem Duke: The Vegetable Song
Ein absoluter Klassiker des Sing-along: Lily The Pink
Ebenso Stamm-Repertoir: My Old Man Said Follow The Van,
I’m Henery the Eighth, I am,
He’d Have To Get Under, Get Out, And Get Under,
Who Do You Think You’re Kidding (Dad’s Army Theme Song)
Gibt es in diversen Variationen, diese kommt der im Duke wohl am nächsten,
ab 0:39: Knees up mother brown
In anderem Arrangement, aber auch einer der Klassiker: Outside The Lunatic Asylum
Zum Ende hin gibt es dann: Maybe it’s because I’m a Londoner und We’ll Meet again.
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London VI – Perfekter Sonntag

Ich wache auf und bemerke als erstes meine schmerzenden Beine. Sie lassen mich lachen. Ich bin vermutlich in einem Jahr London damals nicht so viel zu Fuß gegangen, wie gestern. Nach einem ausgiebigen Frühstück nehme ich die Tube nach London Bridge und gehe zum London Stress Exchange. Das war schon damals die erste Adresse, wenn es um hervorragende Massagen geht. Gut durchgeknetet gehe ich zur Tower Bridge.

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Tower Bridge.

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Tower Bridge.

Leider gibt es kaum einen Winkel aus dem man nicht noch irgendwas anderes mit auf die Bilder bekommt. Laternenmasten, Läden, Autos oder Touristen. Die besten Bilder bekäme man vermutlich vom Wasser aus. Ich könnte stundenlang auf dieser Brücke Zeit verbringen.

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Shad Thames.

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City Hall und The Shard.

 

Es gibt auf ihr und von ihr aus so viel zu sehen, die Perspektive auf die Stadt ist jeden Schritt weiter eine andere. Von Süden aus nach Osten in die Straßen von Bermondsey blickend oder nach Südwesten gedreht entdecken, dass aus dem “Rennhelm” City Hall jetzt The Shard wächst.

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St. Katharine’s Pier und Docklands

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Die Neuen sind von überall sichtbar.

 

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Tower Bridge Bogen.

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Noch mehr Baustellen.

 

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The Shard

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Tower Bridge Plakette.

 

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Tower Bridge.

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Freundliche Hilfe für die französischen Touristen.

 

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Wirklich von überall…

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Tower Mauer.

 

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Aus alt wächst neu.

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The Walkie Talkie.

Auf der Nordseite angelangt, stelle ich erstmal fest, dass Tower Hill Station geschlossen ist und gehe so noch ein weiteres Stück zu Fuß bis zu Bank. Dabei komme ich dann doch mal näher an The Walkie Talkie vorbei. Die gekrümmte Seite ist abgehängt, ich vermute mal aufgrund dieses un-günstigen Vorkommnisses.

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Yum!

Von Bank aus düse ich gen Norden weit raus in die Pampa, um zum Grillen zu CC zu gehen. Das Wetter ist ein Traum und wir verbringen den gesamten Nachmittag bei ihr im Garten. Es fühlt sich alles perfekt an. Ich fühl mich angekommen, zu Hause, ausgeglichen und selbst der Abschied fällt nicht all zu schwer. Ich spüre, dass ich emotional soweit bin, ich kann wiederkommen und es wird auch nicht wieder so lange dauern. Gut gelaunt mache ich mich auf den Weg nach Marble Arch. Dazu mehr in Teil VII.

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London V – These boots are made for walking…

Samstagvormittag: Nachdem ich mein Frühstück am frühen Morgen auf dem Boot genossen habe, mache ich mich auf den Weg nach Holborn. Ich will noch kurz bevor ich verabredet bin in den Silver Vaults vorbeischauen, um abschätzen zu können, wie viel Zeit ich dort für Montag veranschlagen will.

Am Eingang der Vaults wird freundlich darum gebeten, in meinen Rucksack schauen zu dürfen. Selbstverständlich kein Problem. Mir wird mitgeteilt, dass ich keine Photos machen darf, auch kein Problem, wenn auch schade. Ich hüpfe flott die Treppenstufen hinab und finde mich, nach zwei Mal um die Ecke biegen, in einem langen Gang wieder, in dem rechts und links alle paar Meter schwere Tresortüren mit armdicken Riegeln zu den verschiedenen Shops führen.

Ich habe nur ungefähr eine halbe Stunde Zeit, einen ersten Eindruck zu gewinnen und nutze diese für zwei Gespräche, an deren Ende ich weiß, dass ich Montag definitiv mindestens zwei Stunden benötigen werde, mindestens. Außerdem habe ich eine wunderschöne alte Taschenuhr gefunden, die ich möglicherweise im Auftrag meines Großvaters für meinen Bruder besorgen werde. Ich muss aber noch mal drüber schlafen.

Ich flitze wieder hoch und zurück Richtung King’s Cross. Dort bin ich mit meiner ehemaligen Mitbewohnerin verabredet. Wir wohnten zwei Jahre zusammen und haben uns seit meiner Rückkehr nach Deutschland noch nicht wieder gesehen. Wir haben uns auf der Northbound Platform der Northern Line verabredet. Ich gehe einige Male auf und ab und bleibe dann strategisch zwischen zwei Eingängen stehen und sehe in den nächsten Minuten aus, wie ein Zuschauer bei Wimbledon.

Als V um die Ecke biegt und auf mich zukommt, überkommen mich diverse Gefühle, von denen ich keine Ahnung habe, wie sie in Worte zu fassen sind. Sie hat sich optisch sehr verändert, von ein paar Photos auf Facebook hatte ich schon einen Eindruck, aber sie sieht noch um Längen großartiger aus, als auf den Bildern. Wir fallen uns in die Arme und es ist wieder da, dieses vertraute Gefühl, diese Geborgenheit, die ich so sehr vermisst habe als ich zurück ging. Mir schießen Bilder von unzähligen gemeinsamen Momenten damals durch den Kopf, ich schlucke und drück ein Tränchen weg und schon sind wir mittendrin.

Gemeinsam mit ihrer Schwester fahren wir nach Camden, ein bisschen Cliché muss eben sein, und stromern durch Camden Market während wir uns den Mund fusselig sabbeln. Wir schlängeln uns quer durch alle Gänge, durch Menschenmassen, die im Laufe des Vormittags immer mehr werden, schauen hier und da etwas länger, sind aber die ganze Zeit auf den Beinen. Ich nehme den Trubel um mich herum ganz anders war, als bei den letzten Malen, die ich hier war. Irgendwann fällt es mir auf: ich bummele und lasse mich nicht von dem Gewusel nervös machen. Ich gucke genauer hin, mache viele mentale aber auch einige richtigen Photos.

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Camden Market.

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Alte Vespas als Sitzgelegenheit.

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Leben auf großem Fuße? Oder doch einfach nur Quadratlatschenzulieferer?

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Nähmaschine. Nähmaschine. Nähmaschine. Nähmaschine. Nähmaschine. Nähmaschine.

 

Nach etwa drei Stunden gönnen wir uns noch eine Mini-Massage beim Chinesen und machen uns dann langsam Richtung tube auf. Da es Samstag und voll ist, dauert es ein wenig, bis wir drin sind, aber wir haben immer noch so viel zu bequasseln, dass es uns nicht lang erscheint. Wir fahren mit der Northern Line nach Waterloo und wollen von dort aus an der Southbank entlang bis zur Tower Bridge entlang gehen.

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London Eye bei Waterloo.

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Blick die Thames entlang nach Osten.

 

 

 

Als wir aus dem Untergrund wieder auftauchen, schaue ich hoch und erblicke das London Eye, ein so ungemein vertrauter Anblick, dass mir das Herz warm wird. Wir gehen am Wasser entlang und ich muss alle paar Meter stehen bleiben, mich umsehen, den Moment aufsaugen, alles genau betrachten. Dies war meine Hood, hier habe ich so viel Zeit verbracht, viele schöne Momente verlebt. Ich beginne, mit meinen Emotionen zu kämpfen. Ich will genießen, aufnehmen, neue Bilder schaffen, und werde doch überwältigt von alten Bildern, alten Gefühlen und vielen Erinnerungen. Tief durchatmen.

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The Cheese Grater.

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The Walkie Talkie.

Ein Blick die Thames hinunter reißt mich aus den Gedanken. Deutlich sichtbar recken sich am Horizont die zwei einprägsamsten der diversen neuen Glasbau-Hochhäuser penetrant in die Skyline. Sie kommen mir wie Fremd-körper vor, sind mit ihrer deutlichen Form auch nicht zu übersehen. Noch kann ich mich nicht so recht mit dem Anblick anfreunden. Aber wenigstens geben sie mir gerade neue Impulse.

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Holzschnitzerei auf Gabriel’s Wharf. (An der Southbank, knapp westlich der Blackfriars Bridge)

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Emblem der London, Chatham and Dover Railway auf der Blackfriars Bridge

Ich gucke jetzt noch genauer hin und entdecke nach und nach mehr Dinge, die mir bislang nicht so deutlich aufgefallen waren. Wir gehen an einem Areal, umrahmt von kleinen Geschäften, vorbei, in dessen Mitte diverse Holzschnitzereien stehen. Ich erinnere mich daran, diese Ecke mal gesehen zu haben, sie war damals schon da, aber so richtig bewusst schaue ich mich jetzt erst um. Auch beim Unterqueren der Blackfriars Bridge schaue ich etwas genauer hin und entdecke das doch recht eindrucksvolle Emblem der London, Chatham and Dover Railway.

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Seifenblasen vor der Tate Modern.

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Unter der Southwark Bridge

Als wir an der Tate Modern vorbeigehen, begeistert gerade ein Straßenkünstler diverse Kinder mit riesigen Seifenblasen. Und nicht nur die Kinder sind fasziniert, ich beobachte genauso gebannt die großen Seifenblasen, wie sie sich vom Wind in alle Richtungen treiben lassen und kann von den schönsten Exemplaren nur mit den Augen Photos machen. Beinahe verliere ich den Anschluss an V und ihre Schwester, weil ich so verträumt durch die Gegend tapse. Unter der nächsten Brücke, der Southwark Bridge, freue ich mich, eine mobile Rampe zu entdecken. Sie kommt mit zwar recht steil vor, aber einfacher als die Stufen zu überwinden scheint es mir damit allemal zu sein.

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The Anchor. Dort fand damals mein Leaving Do statt. Und auch sonst viele lustige Abende.

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Zwischen The Old Thameside Inn und einer Replika der Golden Hinde II.

Vor dem Anchor machen wir ein wenig Pause und hören einem sehr talentierten Straßenmusiker zu. V sucht noch Live Musik für ihre Hochzeit und so lauschen wir ihm eine Weile und gönnen unseren Füßen etwas Erholung. Am Ende der Clink Street liegt die Golden Hinde II vor uns, seit neuestem mit Ausblick auf die Hochhäuser. Hinter dem Schiff befindet sich mein altes Büro. Bei dem Anblick schlucke ich erneut, Gefühle überrollen mich. Als wir um die Ecke biegen und ich die Southwark Cathedral erblicke, ist es um mich geschehen.

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Southwark Cathedral, im Hintergrund und für mich neu: The Shard.

Jetzt laufen die Tränen für einige Minuten hemmungslos. Direkt vor der Cathedral habe ich viele Mittagspausen verbracht, in der Cathedral selber an einigen Weihnachtsandachten teilgenommen und generell, hier habe ich damals so viele Emotionen erlebt, von ganz furchtbar bis hin zu wundervoll und verliebt. Ich bin froh, dass ich hier mit V das erste Mal wieder entlang gehe, sie nimmt mich in den Arm, versteht, fragt nicht nach, bringt keine blöden Floskeln, sondern ist einfach nur meine wunderbare, liebe V. Wie sehr ich sie doch vermisst habe…

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Tower Bridge, my love.

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Southbank, More Place, Blick auf HMS Belfast

Ich habe mich wieder gefangen und wir gehen weiter, der Weg durch die Hay’s Galleria führt zurück ans Wasser. Von hier hat man auch wieder den direkten Blick auf die Tower Bridge. Immer wieder ein imposantes Bauwerk, welches ich auf Photos nie auch nur annähernd so beeindruckend finde, wie in der Realität. Ich stehe auf dem flussseitigen Ende des More Place und schaue zurück auf die HMS Belfast, ich erkenne sie kaum, der Hintergrund ist mir zu unruhig geworden, schon wieder diese neuen Hochhäuser. Hm.

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Wasserspiel auf More Place.

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Wasserspiel auf More Place.

Als wir uns vor vier Jahren verabschiedeten, verbrachten V und ich einen warmen Sommernachmittag auf dem More Place bei den Wasserspielen. Jetzt stehen wir wieder davor, es ist nicht ganz so schön warm wie damals, aber es ist treffend, dass wir hier unseren Marsch beenden. Wir sind jetzt sieben Stunden lang nur gelatscht, mir tun die Füße so weh wie schon lange nicht mehr. Sie ist beruflich da abgehärteter, den ganzen Tag so auf den Beinen zu sein. Wir kehren bei Dim T ein, um Dim Sum zu essen und den Tag ausklingen zu lassen. Nach dem Essen verabschieden wir uns, wir werden uns Montag noch wieder sehen, das macht es wieder einfacher.

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Tower Bridge vom More Place aus.

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The Shard vom More Place aus.

Ich geh hintenrum zurück in Richtung London Bridge Station und blicke die Schlucht des More Place hinunter. Ein sehr bekannter Blick in die eine, neuer und verstellter Blick in die andere Richtung. Ich muss mir dieses Ungetüm noch mal aus der Nähe anschauen.

 

Ich geh rüber zur London Bridge und zum Fuße des Shards. Eigentlich hatte ich auch überlegt hinauf zu fahren, der Blick von dort scheint beeindruckend zu sein. Aber man muss sich vorher auf einen Termin festlegen und ganz günstig sind die Tickets auch nicht.

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The Shard.

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The Shard.

Ich beschließe, das für ein anderes Mal aufzuheben und begnüge mich mit dem Blick von unten. Danach gehe ich von der anderen Seite zurück zur London Bridge Station und erblicke ein weiteres für mich neues Bauwerk beim Borough Market, sie scheinen Teile des Marktes nun überdacht zu haben. Ich bin aber zu müde von der ganzen Latscherei und zu emotional aufgeladen, um dort auch noch durch zu gehen, auch oder gerade weil ich dort früher viel Zeit verbracht habe. Ein weiterer Punkt auf der “nächstes Mal dann” Liste.

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Borough Market.

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Southwark Cathedral.

Mit einem letzten Blick auf die Cathedral mache ich mich auf den Weg zurück zum Boot, wo ich eine knappe Stunde später erschöpft umfalle und in tiefen Schlaf falle.

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London IV – Die Galatee

Samstagmorgen: Ich wache mit einem Lächeln auf den Lippen auf. Draußen höre ich ein anderes Hausboot auf dem Kanal an mir vorbeituckern. Mit einer Tröte wird die Durchfahrt unter der Brücke angekündigt. Ein bisschen erinnert mich das an das Schiffetuten in Hamburg. Jetzt im Hellen und nach der Abreise von meinen Gastgebern kann ich endlich in aller Ruhe das Hausboot erkunden. Von dem Packchaos, das sie vor ihrem Abmarsch hatten, ist nichts mehr zu sehen.

Es gibt im Grunde zwei Eingänge aufs Boot, an der Spitze kommt man direkt in das Schlafzimmer, welches doch recht geräumig ist. Die Abtrennung ergibt sich durch große Schränke mit viel Stauraum.

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Durch einen schmalen Gang, am Bad vorbei, gelangt man in den Wohn- und Essbereich, der auch eine vollausgestattete Küchenzeile beinhaltet.

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Das Bad hat ein Minibadewanne, in der man zumindest mit angezogenen Knien sitzen könnte und, als Dusche genutzt, viel Platz bietet. Zumindest schlingt sich der Duschvorhang nicht um einen, wie es manchmal in kleinen Bädern der Fall ist. Man darf allerdings nicht vergessen, die Pumpe anzustellen, bevor man duscht, sonst gibt es ein Malheur.

Die Toilette ist eine bewegliche, chemische, die man regelmäßig selber in die normale Kanalisation ausleeren muss. Am Liegeplatz der Galatee sind noch drei weitere Hausboote, die sich einen abschließbaren Eingangsbereich teilen. Die Treppe hinauf zur Straße hin gibt es eine Art Gartenhaus, gemauert mit Gittertor zum Kanal hin und festerer Tür zur Straße hin.

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Dazwischen stehen Waschmaschine und Trockner, sind einige Koffer und Fahrräder gelagert und eben auch ‘the big toilet’, wo hinein man den Inhalt der Boottoilette dann entleert. Manchmal trifft man auf der Treppe auch einen tierischem Besucher.

Das Gästezimmer am Ende des Bootes, neben dem zweiten Eingang, ist gemütlich. Ein Bett, welches für mich herrlich bequem war, bei dem man allerdings als langer Mensch eventuell etwas aufpassen muss, sich nicht blaue Flecke an den Schienbeinen zu holen. Das Fußende geht halb in die Schrankkonstruktion hinein, die die Abgrenzung zum Wohnzimmer hin ist. Ich bin trotz meiner ausgeprägten Neigung zur Grobmotorik hämatomfrei durch die Nächte gekommen. Ein kleiner Nachttisch, ein Waschbecken, etwas Stauraum im Schrank und unterm Bett – für so einen Trip wie den meinen war das alles perfekt.

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Wenn man am Heck auf Deck geht, hat man einen schönen Blick den Kanal hinunter und kann sich auch an den diversen Blumentöpfen auf dem Dach des Nachbarboots erfreuen. Rundum ein herrlicher Ort, um einen Kurztrip zu verleben.

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London III – Was sind schon vier Jahre?

Freitag: Nach meinem doch recht langen Spaziergang gestern Abend fiel ich einfach nur noch hundemüde ins Bett, schlief ganz hervorragend und wachte gut gelaunt, ausgeschlafen und entspannt auf. Zum ersten Mal probiere ich die Dusche aus und bin angenehm überrascht, dann frühstücken wir in aller Ruhe gemeinsam und lassen den Morgen langsam angehen. Nach einer herzlichen Verabschiedung zieh ich wieder los, ich bin später verabredet und will noch ein paar Dinge vorher besorgen, die ich vergessen habe.

Ich laufe, bis ich in Islington bin, freue mich über Palmen und wundere mich über die gelben Halteverbotslinien auf einer kleinen Fahrradstraße. Wie soll da eh ein Auto durchkommen?

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Neu für mich sind die an allen Ecken und Enden aufgetauchten Leihfahrradstationen. Da hat wohl der Boris seine Finger im Spiel gehabt.

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Ich lächle viel, erfreue mich an diversen Kleinigkeiten, sei es nur lauter kleine Sträußchen, die auf den Tischen vor einem Pub stehen.

Als der Vormittag dem Ende zugeht, gehe ich zurück Richtung King’s Cross, um dort auf JT zu treffen. JT ist ein ehemaliger Kollege, der doch so viel mehr Mentor und Freund war und auch irgendwie noch ist, obwohl wir uns tatsächlich seit meiner Abreise damals nicht mehr gesehen haben. Ich bin etwas unsicher, wie es gleich werden wird. Aber wenige Minuten später haben wir uns bereits begrüßt und es fühlt sich sofort an, als ob wir einander grad mal vor zwei Wochen das letzte Mal sahen. Wir sind sofort wieder drin.

Wir setzen uns ins Beetjeman Arms und bestellen uns etwas zu Mittag. Zufällig lande ich bei Fish ‘n’ Chips, allerdings in der fancy-version, und genehmige mir ein Pint Bitter-Shandy. Wir deklinieren einmal die letzten vier Jahre durch, die Zeit rast, aber ich habe nicht das Gefühl, dass sie uns weg läuft. Im Gegenteil, mehr und mehr macht sich der Gedanke breit, dass es auch in den nächsten Jahren für JT und mich keinen Unterschied machen wird, wie lange wir uns nicht sehen, wir werden immer einsteigen können, als sei es gestern gewesen. Nichtsdestotrotz ist der Plan, nicht wieder so viel Zeit ins Land streichen zu lassen, bis wir einander wieder sehen werden, klar.

Später verabschieden wir uns und ich mache mich auf den Weg, um CC zu treffen, ebenfalls eine ehemalige Kollegin, die eine gute Freundin wurde. Sie habe ich vor zwei Jahren das letzte Mal gesehen, bei ihrer Hochzeit, an der wir verständlicherweise recht wenig Zeit hatten zu zweit zu quatschen. Auch mit ihr steige ich sofort wieder so ein, als sei es gestern gewesen und wir verbringen den Rest des Tages gemeinsam im Pub und beim Abendessen. Dann verabreden wir uns noch schnell für Sonntag zum Grillen bei ihr, was die Verabschiedung sehr einfach macht.

Ich gehe beseelt durch das nächtliche London nach Hause, so fühlt es sich wirklich an. Wie früher. Was sind schon vier Jahre?

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London II – Homecoming?

Donnerstag: Ich wache recht früh auf, packe zwar drei Mal aber recht unpanisch um und mache mich auf den Weg zum Flughafen. Keine Schlange beim Bagdrop, ich bin viel zu früh da, mit Absicht. Security geht auch flugs, trotz einiger Passagiere, die meinen rumargumentieren zu müssen, weil sie bei irgendeinem anderen Flughafen mal nicht ihren Gürtel haben ablegen müssen. Herrje, quatscht nicht, macht hinne. Ist doch eigentlich nicht so schwer.

Ich steuere zielstrebig die Ecke mit den mobilen Massagestühlen an und lass mir erstmal meine Betonschultern lockern. Warum auch nicht, es soll ja Urlaub sein. Ein halbe entspannte Stunde später trödele ich zum Gate, der Schalter hat noch nicht geöffnet und trotzdem ist die Schlange schon unruhig lang. Ich werde diese Panik beim Boarden nie verstehen. Ich lese noch eine Runde und gehe als vorletzte in den Flieger.

Der Flug vergeht während ich lese in der Tat wie im Fluge, um beim Landeanflug etwas zu sehen, ist es zu bewölkt, und eh ich es mich versehe bin ich schon durch die Passkontrolle und habe meinen Koffer. Seit wann geht T5 so problemlos? Verfrüht waren wir auch noch.

Die erste Feuerprobe besteh ich an nem ATM mit Bravour, PIN noch bekannt, Geld kommt raus und ich lade als erstes meine Oystercard auf und besorge mir ne UK sim card. Der Typ, der sie mir verkauft ist charmant und zuvorkommend. Später fällt mir auf, dass das was ich instinktiv als so vertraut wahrgenommen habe, mir während des Verkaufs- und Einstellungsvorganges (den er netterweise gleich mit übernahm) so gar nicht auffiel, weil es in London so normal ist: Ich stand an einem Tresen mit drei Verkäufern, sieben Passagieren und fünf oder sechs anderen Flughafenangestellten und war weit und breit die einzige Weiße. Das mag vielleicht an einem Flughafen noch nicht so bemerkenswert sein, aber es wird sich auch durch die nächsten Tage ziehen, alles ist im allerbesten Sinne viel bunter, gemischter und es fühlt sich für mich einfach richtig an.

Ohne darüber nachzudenken finde ich mich wenige Minuten später in der Piccadilly Line wieder und brauche geschlagene 5 Stationen um zu verstehen, warum einge der umsitzenden Touristen bei jeder Ansage von “This is the Piccadilly service to Cockfosters” vor sich hin giggeln. Ich glaube, ich bin angekommen.

Zum Glück erinnerte ich mich vorher noch daran, dass es in der tube, solange sie unterirdisch fährt, keinen Handyempfang gibt und habe wie vereinbart eine SMS an meinen Gastgeber JB abgesetzt. Als die tube in die erste oberirdische Station einfährt, regnet es heftigst in den Waggon hinein, mäh, hoffentlich muss ich nicht durch den Regen laufen nachher.

In King’s Cross angekommen mache ich mich auf den beschrieben Fußweg zum Hausboot und erhalte kurze Zeit später eine SMS: I think you’ve got the wrong number, but have a lovely trip. Damn! Dann weiß JB gar nicht, dass ich in 5 Minuten da bin. Ich rufe ihn direkt an und schildere das Dilemma. Ich kann schon das Hausboot auf der anderen Kanalseite sehen.

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Ganz hinten rechts: die Galatee.

Er ist entspannt, selber zwar noch unterwegs, aber H ist schon zu Hause, er wird ihr Bescheid sagen. Eine gefühlte Sekunde nach Auflegen sehe ich schon H mit dem Handy am Ohr vom Hausboot aus mir zuwinken. Mit fuchtelnden Armen deutet sie mir den Weg und zwei Minuten später stehen wir voreinander.

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Sie umarmt mich herzlich zur Begrüßung und keine 5 Minuten später sind wir bereits so fleißig am quasseln, dass man meinen könnte, wir kennten uns schon seit Jahren. Ich fühl mich sofort wohl. Nebenbei zeigt sie mir das Boot, erklärt mir die Pumpe an der Dusche und wir leeren gemeinsam die Toilette aus, damit ich weiß, wie das zu erledigen ist. Das klingt sehr viel merkwürdiger als es ist.

Da die beiden morgen nach Frankreich fahren werden, um dort zu heiraten, werde ich die restliche Zeit alleine auf dem Boot sein. Das hatten wir schon vorab schriftlich alles besprochen, dennoch bin ich erneut gerührt über das Vertrauen, dass die beiden mir entgegen bringen. Auch haben sie mir Mengen an Lebensmitteln eingekauft, ich soll mich einfach bedienen, sie führen ja eh weg. Das ist nicht unbedingt üblich bei AirBnB, aber in diesem Fall einfach eine freudige Überraschung. Als JB auftaucht bin ich mit ihm sofort genau so vertraut, die beiden sind wirklich eine Wucht.

Da sie mitten im Pack- und Organisationschaos stecken, lasse ich sie alleine. Nicht weil sie mir das Gefühl geben, ich störe, ganz im Gegenteil, aber ich möchte mich auch noch ein wenig im Hellen mit der Gegend vertraut machen. Und so stromere ich mit der Kamera los, währen sie einen Punkt nach dem nächsten auf ihrer Liste abarbeiten.

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Die Galatee liegt auf dem Regent’s Canal.

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Auch Häuser können Bart tragen.

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St. Pancras Renaissance Hotel

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St. Pancras Renaissance Hotel

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King’s Cross Station and Square

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Inside St. Pancras Station

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Paul Day’s sculpture The Meeting Place

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Fries am Sockel

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Fries am Sockel

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Fries am Sockel

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Fries am Sockel

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Fries am Sockel

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Betjeman Arms

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I forgot what building that was…

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Look left is right, right?

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St. Pancras Renaissance Hotel

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Freundlich gefragt, stolzes Lächeln erhalten. Ich mag diese Kopfbedeckung.

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