Die Lehre der Leere

Mein Zahlengespür spielt mir wieder einmal einen Streich, einen bösen Streich.

Seit genau 700 Stunden empfinde ich nichts als Leere.

Ich gehe stumpf durch den Tag, wie durch jeden Tag der letzten Wochen. Es hat sich ein Überlebens-Automatismus eingestellt. Ich weiss mittlerweile wann ich dieses oder jenes tun muss. Wann ich essen sollte, nicht weil ich Hunger habe, sondern weil ich seit x Stunden nichts gegessen habe; dass ich duschen sollte, denn ich will muss ja später noch aus dem Haus; beteilige mich mit small talk an Gesprächen, damit keine Fragen kommen, auf die ich keine Antworten habe, oder mir gar gut gemeinte, aber nutzlose Ratschläge anhören muss.

Ich müsste dringend anfangen zu lernen, die Klausur ist in 5 Tagen. Ich schlage das Buch auf, nur um eine weitere Seite wellig zu heulen. Mit Kopfweh geht lernen dann auch nicht.

Gut, dann halt was Nützliches tun, etwas was ohnehin getan werden muss, wofür ich aber nie Zeit habe. Endlich die Kartons auspacken, aufräumen, ausmisten, emails die lange überfällig sind endlich in Angriff nehmen.

Ich geh vom einen in den anderen Raum, setze mich und starre auf die Kisten. Nein, keine gute Idee, die jetzt auszupacken. Es könnten Erinnerungen an ihn zum Vorschein kommen. Ich hab die Energie nicht. Und ich hab auch gar keinen Platz für die Sachen im Schrank, ausgemistet hab ich ja auch noch nicht.

Ich gehe zurück, starre auf den Schrank und überlege, welche Dinge ich weggeben und welche wegschmeissen könnte. Ich würde jedes einzelne Teil minutenlang in der Hand halten und mich erinnern, an die Anschaffung, die Umstände, die Geschichte dahinter, nur um es dann doch wieder zurückzulegen.

Ich setze mich an den Schreibtisch, öffne den Laptop, nein wieder keine mails. Wer soll mir auch schreiben, ich tu es ja auch nicht. Ich wüsste auch nicht was ich schreiben sollte momentan. Nicht mal Spam hab ich. Zum hundertsten Male an diesem Tag checke ich, ob es neue posts auf den Foren gibt, auf denen ich so bin. Nein, die haben natürlich auch besseres zu tun. Ich twittere belangloses und deprimierendes Zeugs. Sekunden der Ablenkung. Dann schäme ich mich, allen mit meinem Geheule auf den Nerv zu fallen.

Mein Blick fällt auf meine Wochenzeitschrift. Auf die Ausgabe von vor 6 Wochen. Ich muss mal endlich hinterher kommen, ungelesen kann ich sie nicht wegschmeissen. Ich lege mich aufs Bett und lese einige Absätze. Dann wird mein Arm lahm, ich lass ihn sinken und starre an die Decke, bis sich mein Blick in der Unendlichkeit verliert.

Meine Augen schmerzen, ich vergass zu blinzeln, wo sind die Tränen, wenn man sie braucht? Sind nun sogar meine Tränendrüsen leer?

Es sind gerade mal 13 Minuten vergangen. Es liegt noch so viel Leere den restlichen Tag vor mir.

Stumpf und trübe bleib ich liegen, antriebslos und kraftlos, willenlos und hilflos.

Wo bleibt die verdammte Lehre dieser Leere?

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