Titellos

Gedankenverloren starrte sie auf den Bildschirm, klickte ab und an irgendwo drauf, aber die Aufmerksamkeit war weg. Eine Lawine an unzusammenhängenden Gedankenfetzen bahnte sich den Weg durch ihr Hirn. Sie gähnte. Ein Blick auf die Uhr unterstrich die Notwendigkeit, ins Bett gehen zu müssen. Halb zwei, Wecker auf sechs. Widerwillig klappt sie den Rechner zu, machte das Schreibtischlicht aus und trottete zum Waschbecken. Zähne putzen, drei, vier, fünf Minuten.

Ihr Puls raste mittlerweile, als hätte sie gerade einen Sprint hinter sich. Die anhängliche Horde Elefanten, die es sich so gerne auf ihrem Brustkorb gemütlich machte, war auch schon da. Ein Klos im Hals und das laute Herzpochen bis zum selbigen. Denk an was Schönes, denk an was Schönes, denk an was Schönes! Lautlos schrie sie sich selber an. Tiefer Atemzug, noch einer und noch einer. Während sie ziellos durch die Wohnung streunte, begannen die Elefanten mit ihrem Stepptanz. Ihr wurde flau im Magen.

Du kannst jetzt nichts ändern. Es ist zwei Uhr nachts. Du kannst jetzt einfach ins Bett gehen, Dich ausruhen und morgen sieht doch alles ganz anders aus. Die Elefanten erhöhten auf Riverdance. Tränen begannen ihr in die Augen zu steigen. Schreib es auf! Schreib es Dir aus dem Kopf heraus, dann vergisst Du es auch nicht bis morgen. Haha! Als ob sie all das, was ihr im Kopf schwirrte, jemals vergessen könnte.

Dann lies halt noch, das lenkt ab. Sie legte sich ins Bett und nahm die Zeitschrift zur Hand, dessen langweilige Titelstory als Einschlafhilfe dienen sollte. Früher hatte das immer funktioniert, zwei Absätze lesen, Augen fallen zu, automatisch Licht ausmachen, Zeitschrift weglegen und ab ins Traumland. Sie las den ersten Satz, vier Mal. Die Augen schwer. Kurzes Wegdämmern. Der zweite Satz, drei Mal. Licht aus, Zeitschrift weglegen. Umdrehen, gemütlich in die Decke kuscheln.

Zack! HELLWACH! Elefantenzugabe. Puls rasend, Augen tränenerfüllt. Was ist jetzt los? Du blöde Kuh! Penn doch einfach! Schluchzend saß sie in der Mitte des für sie allein viel zu großen Bettes. Aus der dunklen Zimmerecke heraus sah sie dieses Grinsen, welches dort jede Nacht saß und sie hämisch auslachte. Spöttisch blickte die Angst auf sie herab. Du wirst immer einsam bleiben!

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