Bekloppter Badezimmer Blödsinn

Da fuhr ich vor ein paar Tagen so vollkommen nichtsahnend über die Autobahn, als plötzlich all die Badezimmer meiner bisherigen Wohnstätten vor meinem geistigen Auge vorbei flanierten. Ich bin von meinem komischen Kopf ja durchaus einiges gewohnt, aber das fand ich nun auch eher merkwürdig. Allerdings waren auch einige äußerst merkwürdige Bäder mit dabei, da kann das also doch schon mal vorkommen.

Das allererste Badezimmer verbinde ich mit dem Wickeln meines kleinen Bruders und meinem bislang einzigen sich mehrfach wiederholendem Albtraum, der aber nichts mit meinem Bruder zu tun hatte. Ansonsten war es ein ganz normales, harmloses Badezimmer. Auch das zweite Bad fällt noch unter die Kategorie langweilig. Einzig der Duschvorhang, der sich ratzfatz um mich wickelte, ein einengendes und ekliges Gefühl erzeugend, sobald jemand hereinkam während ich duschte, sticht hier in der Erinnerung ein wenig hervor. Zumal mein Bruder sich gerne mit Absicht eben diesen Spaß erlaubte.

Dann reiste ich das erste Mal nach England und lernte, in ihrer Abwesenheit, den Komfort einer Dusche zum Haare waschen zu schätzen. Ich habe bis heute nicht die herausragende Technik meiner Gastschwester meistern können, lange Haare ausschließlich in der Badewanne ohne Brause oder gar Mischbatterie zu waschen. Wie zum Teufel bekam sie je das Shampoo oder gar die Spülung wieder aus den Haaren? Ich schaffte dies nur unter Zuhilfenahme eines größeren Bechers, aber das geht bei langen Haaren auch ganz schön auf die Arme und dauert ewig. Darüber hinaus bestand eine nicht unerhebliche Herausforderung darin, die richtige Temperatur aus den beiden Hähnen zu mischen, glühbrühheiß und eiseiseiskalt, ohne sich dabei Verbrennungen oder Frostbeulen zuzuziehen.

Bei einem späteren Englandaufenthalt gab es eine vermeintliche Erleichterung, die sich jedoch als extrem heimtückisch herausstellte. Ein Plastikschlauch mit einer Art Duschkopf am einen Ende und zwei Gummipfropfen am anderen Ende, die man dann jeweils über die beiden Hähne stülpte. Nun gab es zwei Varianten, wie das Ganze ausgehen konnte. Entweder man hatte den in England weit verbreiteten geringen Wasserdruck, der zusätzlich ungleich schwach aus beiden Hähnen tröpfelte und dann auch unregelmäßig wechselte, so dass eine angenehme Mischung in der Regel nur so für 45 Sekunden zu erreichen war. Oder man hatte einen starken Wasserdruck, dann schossen die Gummipfropfen in unberechenbaren Abständen einfach vom Hahn. Meistens natürlich nur einer der beiden, so dass man neben der das Bad unter Wasser setzenden Fontäne auch noch die Freude hatte, gekocht oder vereist zu werden. Dann doch lieber die Gruppenduschen in Landschulheimen.

Meine erste Studentenbude hatte ein winziges und vor allem sehr schmales Bad. Um in die Duschkabine zu gelangen, musste man sich erst bei geöffneter Tür am Waschbecken vorbeiquetschen, damit man die Tür übers Waschbecken gelehnt wieder schließen konnte, um dann dahinter an die Dusche zu gelangen. Zähneputzen ging nur neben dem Waschbecken stehend oder gleich auf dem Klos sitzend, weil davor zur Wand hin nicht genug Platz war. Die Klimaregulierung war ohne Heizung und ohne Fenster eine Wissenschaft für sich. Kalt und feucht ist keine schöne Mischung, insbesondere nicht im Winter.

In der darauf folgenden WG wurde das Bad von einem meiner Mitbewohner wohl für praktische Übungen für sein Studium zweckentfremdet. Er studierte Meeresbiologie. Das sagt doch schon alles. In der nächsten WG musste ich zwei Jahre lang im Abstand von zwei Wochen regelmäßig den Duschvorhang und seine Befestigung erneut fixieren. Ich habe nie heraus gefunden, was zum Teufel da passierte, aber es war immer notwendig, nachdem der Partner meiner Mitbewohnerin zu Besuch war. Ich empfand Dankbarkeit dafür, ein gewisses handwerkliches Talent zu haben. Rätselhaft blieben die Vorgänge dennoch.

Dann zog ich nach England und hatte zunächst das Vergnügen in einem Studentenwohnheim, eine Dusche und eine Badewanne mit elf weiteren Mädels zu teilen. Neun davon fielen unter die Kategorie Zwei-Stunden-Minimum-Aufenthalt. Die Badewanne hatte wieder nur zwei kleine heiß-kalt Extremisten als Wasserquelle und die Dusche spendete Warmwasser nur in 15-Minutenblöcken mit halbstündigen Pausen. Gutes Badtiming will gelernt sein. Seit dem finde ich es vollkommen normal morgens zwischen 2 und 4 Uhr zu duschen.

Als nächstes zog ich zur Untermiete in ein kleines Reihenhaus, welches auf den ersten Blick ein traumhaftes Badezimmer hatte. Eine wunderschöne große Badewanne (mit vernünftigen und normal zu benutzenden Armaturen) und eine geräumige Dusche mit gutem Wasserdruck und verschiedenen Wasserstrahleinstellungen. Herrlich, möchte man meinen. Zwei Wochen nachdem ich einzog, fiel die Heizung aus. Kein Warmwasser. Nach einer Woche war das dann endlich repariert und alles hätte so schön sein können. Für ungefähr eine Woche war das auch so, dann zeigte sich ein riesiger Wasserfleck an der Wand im Zimmer neben der Dusche. So eine aufgerissene Wand kann ja auch gerne schon mal 6 Wochen offen bleiben. Kein Problem, wenn man gerne im Bad beobachtet wird. Ich fand das suboptimal. Pünktlich zum Winter fiel dann auch wieder die Heizung und somit das Warmwasser aus, dieses Mal für längere Zeit. Ich zog dann recht schnell aus, weil der Vermieter keine Anstalten machte, sich zügig um Verbesserung der Situation zu kümmern.

Meine nächste Höhle hatte dann erst gar keine Heizung im Bad, erinnerte in seinen Ausmaßen an das Bad in meiner ersten Studentenbude und das Wort Wasserdruck war auch dort ein Fremdwort. Den Versuch, das Bad mit dem restlichen Zimmer gemeinsam durch Offenlassen der Badtür zu heizen, brach ich schnell ab. Durch die hohe Decke war es sicher direkt unter selbiger warm, ansonsten aber eher nicht so, also wirklich so überhaupt gar nicht. Nach 6 Monaten zog ich auch dort wieder aus, aus ganz anderen Gründen, gerade rechtzeitig allerdings, um einer Zwangsevakuierung wegen „health risk“ zu entgehen. Der Mieter zwei Stockwerke drüber war einige Wochen zuvor gestorben, es war der selbst in England sehr warme Sommer 2006, und die Maden hatten sich im gesamten Haus verbreitet. Na lecker. Am Tag meines Auszugs wurde der arme Kerl entdeckt und ich war froh, bereits am gleichen Abend in der neuen Wohnung schlafen zu können, madenfrei.

Da dieser Sommer wie gesagt sehr schön warm war, fiel zunächst das Fehlen einer vernünftigen Heizung hier nicht weiter auf. Es hing zwar so etwas ähnliches wie ein Heizstrahler an der Wand, jedoch als die Tage kälter wurden, kam mir morgens im Bad Pu der Bär in den Sinn: Wir sind im Wald, tammteramm, es ist so kalt, tammteramm, man kann den Atem sehen, tammteramm. Diese kleinen Warmluftpüster sind eine ganz hervorragende Erfindung. Ich werde jedoch nie verstehen, warum die Engländer so häufig völlig isolationsfreie Anbauten mit dünnen Wänden, zugigen Fenstern und ohne Heizung zu Badezimmer verwursten. Das muss dieses Abhärtungstraining sein, welches dazu führt, dass die weiblichen Wesen auf der Insel auch bei Minustemperaturen, die mich mit Mütze, Schal und Handschuhen immer noch bibbern lassen, häufig sogar noch in Miniröcken und mit nackten Beinen gesichtet werden.

Das Folgebad wurde vor Einzug dann gleich komplett renoviert. Die Mischung aus billigem Holz, Teppich, schlechten Fenstern und Miniheizer hatte in den vergangenen 30 Jahren ein artenreiches Feuchtbiotop erzeugt. Jeder Biologe hätte vermutlich seine wahre Freude an diesem Raum gehabt, wenn er es als Labor hätte nutzen wollen. Nach mehreren Nachbesserungen an undichten Stellen folgten knapp 2 Jahre Badezimmertraum. Mit normaler Badewanne. Und normaler Dusche. Und normalen Mitbewohnerinnen mit normalen Badaufenthaltszeiten. Wun.Der.Bar!

Und dann zog ich wieder nach Deutschland. In eine Kellerwohnung. Ohne Bad. Also zumindest ist in der Wohnung kein Bad. Ich habe natürlich schon ein Badezimmer, leider ohne Badewanne. Diese Tatsache schmerzt mich mehr als die, das ich aus der Wohnung raus und den Kellerflur entlang muss, um dort hin zu gelangen. Bislang schaffe ich es auch seit zwei Jahren erfolgreich, mich nicht auszusperren, denn sowohl Badezimmer- als auch Wohnungsschlüssel müssen immer mit, sonst habe ich irgendwann ein mittelgroßes Problem. Ich mag mein Bad, trotz seiner Lage. Nur bei Zuständen die eine nähere Bekuschelung des Porzellans erfordern, fluche ich ein wenig. Aber das bekommt keiner mit, ich bin ja im Keller.

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One Response to Bekloppter Badezimmer Blödsinn

  1. larifariabel says:

    “Gutes Badtiming” zu sehr verenglischt – und das Fragezeichen im Kopp ist perfekt.😀

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