Warum 2012 zwar beschissen war, aber doch viel Gutes mit sich brachte

Ja, es gab schon genügend Rückblicke. Und es ist bereits der xte Tag des neuen Jahres, eigentlich viel zu spät, um das vergangene Jahr Revue passieren zu lassen, auch wenn ich bereits vor Jahreswechsel damit begann. Und wen interessiert schon, wie mein 2012 war.

Mich! Für mich ist es gerade wichtig, doch noch mal zurück zu schauen und mir vor Augen zu halten, was war, zu reflektieren, was ich erlebte. Denn das was kommt, ist immer geprägt von dem Vorangegangenem.

Januar

Relativ motiviert beginnen. Mit Ausblick, das berufsbegleitende Studium im September abzuschließen, sich andauernd die Frage stellen, wie es danach weiter gehen würde. Große Angst vor dieser Frage haben, da ohne blassen Schimmer. Versuchen, einen Schritt zurück zu machen, zu betrachten, wo Stärken, Schwächen, Talente und Interessen liegen. Eine eintägige, äußerst anstrengende Karriereberatung, mit vielerlei Tests und Gesprächen durchlaufen. Nicht wirklich Neues erfahren, aber Bekanntes erneut vor Augen gehalten bekommen, ein Stück weit Beruhigung erlangen.

Parallel neuen Trainingsplan beginnen, ganz gezielt abgestimmt auf einen Plan, der seit Mai 2011 gehegt wurde. Versuchen, das Unterfangen mit wöchentlichen Zusammenfassungen zu verfolgen und sich motivierende Vertraute ins Boot holen. Recht häufig beim Sport sein, sich auch durch einen kleinen Autounfall und eine grandios ätzende Hausarbeit, die gemeinsam mit einer Kommilitonin geschrieben werden muss, nur kurzfristig aus dem Konzept bringen lassen und erfreut die ersten Trainingserfolge bemerken.

Einige inspirierende Stunden mit einem ehemaligen Dozenten verbringen, nach langer Zeit endlich den Patensohn wieder sehen. Lange und ergiebig mit dem Thesisbetreuer über Themaidee sprechen. Einen riesigen Schritt wagen und zu einer Geburtstagsparty gehen, auf der man nur das Geburtstagskind und ihren Mann kennt. Nach anfänglicher Unruhe und heftigen Fluchtgedanken, gut ins Gespräch kommen und den Nachmittag genießen. Etwas stolz sein, die Kraft kostende aber lohnende Überwindung aufgebracht zu haben.

Februar

Mit Nachtschichten und viel Koordinationsnotwendigkeit per Kraftakt die Hausarbeit beenden. Sportlich zunächst ins Stolpern geraten, dann aber sowohl Rhythmus wiederfinden, als auch Erfolgserlebnisse einheimsen. Von allgemeinen Zweifeln geplagt werden, hinterhältige Panikattacken, vor allem mitten in der Nacht, durchleben. Vom Körper mit tagelangen Dauerkopfschmerzen und bleiernder Müdigkeit geplagt werden.

Zum ersten Mal seit gefühlten hundert Jahren wieder im Kino gewesen, Moneyballs gesehen – eine Baseballmannschaft wird aufgrund von Statistikdaten zusammengestellt – inneren Zahlenmonk jubilieren lassen. Sich zu einem Twittertreffen zu gehen trauen, Angst haben, sie überwinden und hinterher feststellen, dass es sich (natürlich) lohnte. Erneut feststellen, welch ein Engel der geliebte Bruder ist und nach einem ausgiebigen, produktiven und sehr netten Telefonat mit dem Thesisbetreuer auch endlich die Masterthesis anmelden können.

März

Besuch einer alten Unifreundin, Wiedersehen nach 10 Jahren. Gefühlte 10 Tage. Zum ersten Mal Indoorcycling ausprobieren, Spaß dran haben, aber die Schmerzen im Hintern für Tage danach verfluchen. Nach Berlin fahren, ein unheimlich anstrengendes, Kräfte zehrendes und verwirrendes Wochenende dort verbringen. Doch dies noch nicht wissend den Beginn einer besonderen Freundschaft mit zurück nehmen.

Massiven Motivations- und Trainingseinbruch erleben, körperlich und mental geschafft sein, mit der Arbeit und der Recherche für die Masterthesis kämpfen, verzweifeln und sich vollkommen gelähmt fühlen. Spontane Einladung zum Abendessen erhalten und dort nicht nur ein hervorragendes Mahl, sondern auch wärmende und besonders unterstützende Worte erhalten. Zum ersten Mal alleine auf ein Konzert gehen und ein Wochenende mit dem Seelenbruder genießen. Manch einer braucht nur 48 Stunden, um wahre Wunder zu vollbringen.

April

Wahnsinn! Ein Monat voll purem Wahnsinn, in jeglicher Hinsicht. Über Ostern acht Tage auf Studienreise nach China fahren dürfen. Sprachlos ob der gewaltigen Eindrücke aus dieser Zeit diese nicht in Worte fassen können. Über-beeindruckt sein. Ein vielschichtigeres Bild dieses Landes und Neugier auf mehr bekommen. Geburtstag in Shanghai feiern.

Bei Rückkehr massive Schwierigkeiten haben, mit dem Nachhall der Eindrücke wieder in den Alltag zu feinden. Jeglichen Rhythmus vermissen. Erneut und wiederholt, aber vergeblich versuchen, den seit Ende Februar schweigenden Thesisbetreuer zu erreichen. In Panik verfallen. Die im Kopf unübersichtlich und unstrukturiert durcheinander purzelnden Gedanken von einem wunderbaren Menschen systematisch heraus gefragt und in Struktur gebracht bekommen.

Von einem Bekannten zum Sushi essen mit Unbekannten mitgenommen werden und dabei ein überraschendes Wiedersehen erleben. Seit ewig mal wieder einen echten Sonntag erleben, einen richtigen, guten, wunderbaren Sonntag. Mit jemandem, der zu einer wunderbaren Freundin wurde, mit Kuchen essen am Mittag bis hin zum Abendbier und verdammt großartigem Vielgequassel dazwischen. Feststellen, wie unheimlich wertvoll diese Stunden waren.

Mai

Von wegen Wonnemonat… Mit einem dreitägigen, anstrengendem Wiederholungsseminar beginnen. Von draußen vom Grillgeruch und Feiergeräuschen bei grandiosem Wetter dabei abgelenkt werden. Es nicht zum Sport schaffen, dafür mittlerweile den Rotationsplan der Bibliotheksangestellten auswendig können. Überlegen, den Schlafsack mit in die Bibliothek zu nehmen, sich aber an die dafür unpassenden Öffnungszeiten erinnern. Die meiste Zeit mit den Nerven ziemlich am Ende sein.

Aber! Zum genau richtigen Zeitpunkt auf einen Roadtrip geschleppt werden und das erstes Mädchendingsi erleben dürfen. Diesen Namen mittlerweile als Synonym für tolle Stunden mit wunderbaren Freundinnen, die einem gut tun, Halt geben und mit denen man herrlich rumblödeln kann, empfinden. Außerdem die Hochzeit des Schwippschwagers überstehen, mit liebem Besuch eine recht ordentliche Strecke durch Hamburg radeln und ein aus seinem Nest gefallenes Meisenbaby retten.

Juni

Endspurt und Panik, Panik und Endspurt. Die Gewissheit erlangen, dass der Thesisbetreuer einen wirklich ultimativ hängen lässt. Viele zumeist hysterische Heulattacken, tiefe Verzweiflung, eine Hausarbeit und die Hoffnung, mit Monatsende die Thesis dennoch irgendwie zu beenden. Grausam.

Mittendrin eine extrem spontane Flucht aus der Bibliothek in einem Überfallbesuch eines bis dahin real Unbekannten in Kiel münden lassen und den Trip mit mehreren Stunden eines wohltuenden Gesprächs abrunden. Am Ende durch eine Rettung in letzter Sekunde den endgültigen Zusammenbruch abwenden. Es als ein verdammt großes Wunder empfinden, dass es einem Rettungsengelheld gelingt, auf den letzten Drücker noch so viel halbwegs intelligente Gedankengänge aus dem Hirn herauszufragen. Tiefe Dankbarkeit für dieses Geschenk spüren.

Juli

Feinschliff der Thesis, binden, abgeben. Vor Erleichterung erneut in Tränen ausbrechen. Nicht glauben, dass man wirklich fertig ist und mehrfach mit thematisch dazu passenden Albträumen hochschrecken. Letzte Besorgungen für die Radtour erledigen und endlich, endlich, endlich losfahren. Phantastische Höhen und Tiefen dabei erleben. Abbrechen müssen. Erneute Verzweiflung, Wut, Enttäuschung. (Lässt sich, falls Interesse besteht, hier nachlesen.) Tolle Mädchendingsifreundinnen haben, die einem die Rückkehr nach Abbruch versüßen! Alternativplan für dringend notwendige Erholung finden. Zum ersten Mal in meinem Leben einen Kuchen ohne Fertigmischung backen.

August

Alternativplan exekutieren und zwei Wochen Sonne tanken, dabei endlich wieder Bücher zum Vergnügen lesen. Wunderbare Freunde im Süden besuchen und leider dort krank werden. Bei der Hochzeit des besten Bruders der Welt eine Rede halten, die das Brautpaar zu Tränen rührt. Etwas stolz über das allgemeine Feedback sein. Auf der Hochzeit jemanden das erste Mal seit 18 Jahren wiedersehen. Jemandem vorgestellt werden, der einem eine mögliche Chance anbietet.

September

Von der Hochzeit erholen. Chance recherchieren. Graduation feiern und damit endlich die letzten zweieinhalb Jahre offiziell abschließen. Besten Freund der Welt in Düsseldorf besuchen. Sich darüber freuen, dass der beste Freund ab Januar wieder in Hamburg leben wird. Immer noch ganz schön fertig sein.

Oktober

Ganz viel unbekannte Familie kennenlernen. Erneutes Mädchendingsi genießen, wenn auch mit fiesem Allergieschub. Chance beginnen und gleich zu Beginn großem Dilemma begegnen. Trotz großer Verunsicherung zum ersten Mal seit Jahren auf den Bauch hören. Es nicht bereuen. Auf einer Lesung endlich drei Menschen kennenlernen, die man schon lange liest und treffen wollte. Zum ersten Mal allein zu einer anderen Lesung gehen, ohne zu wissen, ob jemand dort ist, den man kennt. Auch dies nicht bereuen. Das beste ganztägige Sonntagsfrühstück der Welt mit dem geliebten Bruder und der Schwägerin genießen.

November

Sieben verschiedene Sektsorten bei einem sechsgängigen Menu verkosten und zum ersten Mal wirklich schmecken, dass nicht alles zu einander passt. Das ganze vor allem zu fortgeschrittenem Abend sehr lustig finden. Einen langen Sonntagskaffee mit jemand Neues verquatschen und es hinreißend finden. Spontan einen Durchreisenden auf ein Feierabendbier treffen und dabei viel lachen.

Zu einer Geburtstagsparty gehen, einen sehr ungewöhnlichen, aber verdammt schönen Abend genießen und sehr berührt von der Offenheit und Hilfsbereitschaft von jemandem sein. Einen weiteren neuen Menschen endlich real kennenlernen und die Nacht durchquatschen. Von Junior als Trampolin benutzt werden und es auch genießen.

Dezember

Zum ersten Mal seit Rückzug nach Deutschland wieder nach England fliegen. Ein sehr gemischtes Wochenende dort verbringen, mit einer Traumhochzeit und dem Wiedersehen vieler alter Bekannter. Sich dank Unterstützung auf eine Party wagen und einen schönen Abend verbringen. Ursprüngliche Chance ohne Wunsch nach Verlängerung beenden und es für gut befinden. Zum Abschied noch eine rauschende Weihnachtsfeier erleben.

In den Urlaub fliegen, Koffer erst zwei Tage später erhalten, krank werden, trotzdem Spaß haben. Zum ersten Mal seit zwölf Jahren Traditionstreffen mit bestem Freund am 23. wegen Krankheit absagen müssen. Sich körperlich vollkommen schwach durch die Feiertage schleppen, trotzdem schöne Weihnachten haben. Dankbarkeit für die vorhandene Familie empfinden. Bewusst beschließen, Silvester ohne Stress allein zu Hause zu verbringen und einen schönen Abend haben.

Zurückblicken auf 2012. Es mit ‘entkräftend’ zusammenfassen, dennoch stolz auf viele erste Male und begeistert über sensationelle neue Menschen im Leben sein. Dankbar sein für all die, die einem so unfassbar viel Beistand leisteten. Trotzdem verdammt froh sein, dass es vorbei ist. Beschließen, dass die 13 in 2013 ab jetzt endlich mal rundum ihren Glückszahlstatus für einen ausleben darf.

This entry was posted in Episodes of Life, Factual, German, Reminiscence. Bookmark the permalink.

One Response to Warum 2012 zwar beschissen war, aber doch viel Gutes mit sich brachte

  1. Das ist doch mal ein guter Beschluss/Vorsatz!

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s