Ein Abend voll guter Gespräche

Szenerie: Couch und Sessel vorm Kamin
Beteiligte: Großvater (G), Vater (V). Enkelin/Eimer (E)


G Spielen wir wieder Skat?

E Sehr gern, wenn Du möchtest.

G Dann hol mal die Karten von nebenan. Und den Block, wir schreiben doch auf?

V Aber sicher.

Die Enkelin holt die Karten, beginnt zu mischen während der Vater Wein einschenkt. Wortlos legt sie den gemischten Stapel in die Mitte des Tisches, der Vater hebt ab und sie teilt aus. Der Großvater nimmt langsam seine Karten auf.

G Urgs. Hm. Ah.

V 18.

G Ja.

V 20.

G Ja.

V 22.

G Weg.

E Weg.

Der Vater nimmt den Skat auf, arrangiert seine Karten, legt wieder zwei Karten hin.

V Herz.

G Wer kommt raus?

E Du.

Sie spielen reihum die Karten aus bis alles Stiche verteilt sind. Der Vater nimmt seine Sticke auf und zählt lautlos seine Punkte während die Enkelin dem Großvater Wein nachschenkt.

V 62. Das war knapp.

Er notiert das Ergebnis, schiebt die Karten zum Großvater, der zu mischen beginnt und, nachdem die Enkelin abgehoben hat, die Karten verteilt.

Das Reizen beginnt erneut. Einsilbig und zügig. Der Großvater spielt Kreuz und gewinnt.

In den nächsten zwei Stunden wird so Runde um Runde gespielt. Es werden Zahlen ausgetauscht, aufgeschrieben und wortlos Karten hin und her geschoben. Dann fängt der Großvater an zu gähnen.

G Ich glaube, ich muss jetzt ins Bett.

V und E Gut, dann gehen wir jetzt.

G Danke, dass Ihr gekommen seid, es war wirklich schön mit Euch. Und wir haben uns so wunderbar unterhalten.




Und wieder einmal zeigt sich, dass nicht die Anzahl der ausgesprochenen Wörter ein gutes Gespräch definiert.

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7 Responses to Ein Abend voll guter Gespräche

  1. In Norddeutschland gilt doch bereits “Moin Moin” als vollständiges Gespräch mit allem Drum und dran🙂

  2. Eigentlich, ja eigentlich ist das “Moin Moin” auch bereits die Antwort auf ein “Moin”. Wir hier oben erkennen daran die “Zugezogenen” die einen (hihi, sind die doof) mit “Moin Moin” begrüssen und denken, das wäre wohl so richtig. Das wird auf immer unser Geheimnis bleiben, oh..

  3. Aber, aber – “unterhalten” kann doch schon vom Wort her mehr bedeuten als “reden” – nämlich amüsieren, zerstreuen, aufrecht erhalten, pflegen. Und mit Worten und ihrer Bedeutung kennt sich dein Opa ja bekanntermaßen hervorragend aus😉

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