Ich hab noch Sand in den Schuhen aus Tramm

Nachdem ich heute morgen aufwachte, war ich noch voll von den Eindrücken des gestrigen Tages. Den hatte ich in der Laiszhalle bei TEDx verbracht und darüber wollte ich (und werde ich noch) schreiben. Aber erst einmal nahm ich mir die Nachrichten bei einem Kaffee vor. Dass darin momentan die Hochwasserlage dominiert, muss ich Euch nicht sagen. Aus meiner Hamburger Lage ist das alles aber irgendwie doch recht weit weg bisher, ich kann ja von hier nichts in Dresden oder Bayern ausrichten und für Spenden fehlt mir momentan das Geld.

Dann stolperte ich aber über die Nachrichten aus dem Landkreis Lüchow-Dannenberg, dem ich emotional aus familiären Gründen verbunden bin. Und dann las ich, dass dort im Kieswerk Neu Tramm noch dringend Helfer für die Herstellung von Sandsäcken benötigt werden. Ich musste eine Weile suchen, irgendwie fand ich Tramm nicht sofort, aber dann las ich irgendwo, dass es an der B248 grad nördlich von Jameln liegt und Jameln kenn ich gut. (So kommt man hin.)

Ich beschloss, spontan dort hin zu fahren und zu schauen, ob ich helfen kann. Ich hatte keine Ahnung was mich erwartete, war auch etwas nervös einfach allein da hin zu kommen. Was braucht man eigentlich? Ich warf mich in meine ollste Jeans, ein olles Poloshirt, festere Stiefel und griff nach Gartenhandschuhen sowie, im letzten Moment, noch Sonnencreme.

Tja, und dann kam ich da hin, auf der Straße standen schon Feuerwehrleute und regelten den Verkehr. Außer den Helfern die kamen und gingen, fuhren immer wieder Traktoren mit Anhängern und Laster mit Paletten voll gestapelter Sandsäcke heraus und kamen leer wieder zurück. Mir wurde gezeigt wo ich parken kann (es war voll, aber noch genug Platz, dass noch viiiiele mehr kommen könnten), und ich sprach ein paar Mädels an, die gerade wieder fuhren (nach 5 Stunden Plackerei). Sie wiesen mir den Weg nach weiter hinten aufs Gelände, welches sich riesig erstreckt. An Staub aufwirbelnden Traktoren, Vorderladern, Lastern und Gabelstaplern vorbei, THW-Wagen und Löschzüge passierend, fand ich meinen Weg zur Einsatzleitung. Die zeigten nur kurz, wo es die Versorgungsstation gibt und wo geschippt wird und los maschierte ich.

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Etwas verloren sprach ich die erste Truppe an, wie kann ich helfen und fing mit Säcke zuknoten an, aber dann war dort der Sand grad alle und ich kam mir doof vor, zu warten, wo ich doch gerade erst angekommen war. Also stapfte ich rüber zu einem Paar, welches nur zu zweit an einem Sandhaufen neben einer Abfüllanlage hockte.

20130606-105403.jpg Jedes Mal, wenn oben neuer Sand in die Anlage gefüllt wurde, fiel hinreichend daneben, so dass dort Nachschub von selber kam. Ich bot meine Hilfe an und wurde sofort vergnüglich und freundlich eingebunden. Zu dritt hat man einen guten Rhythmus, einer schippt, einer hält den Sack auf, einer knotet und stapelt. Wir haben ab und an rotiert, da wirklich alles drei irre anstrengend ist, dazu schien die Sonne herrlich auf uns.

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Nach etwa andertalb, sehr netten und lustigen Stunden mit den beiden, vorbeigebrachtem Eis von irgendjemandem und 3,5 Paletten Säcken, mussten die dann mal nach Hause, sie waren schon 6 Stunden dabei gewesen. Ich hab mich dann bei der Abfüllanlage an die Jungs von der Freiwilligen Feuerwehr Lüchow angeschlossen und wurde sofort liebevoll adoptiert. Nach einer Stunde mit den Jungs nahmen sie mich mit zur Essenspause ins Versorgungszelt. Kaffee, Tee, Wasser, Softdrinks, Kuchen, Stullen und Snickers/Twix, einfach, simpel, schnell. Man geht einfach vorbei und nimmt sich was, sitzt dann im nächsten Zelt und nach 20 Minuten ging es weiter.

Die Abfüllanlage war von anderen besetzt, so bastelten wir uns unsere eigene: eine Leiter aufgebockt, drei abgeschnittene Verkehrshütchen als Trichter zwischen die Sprossen gehängt und los ging es.

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Weitere lustige Stunden mit viel Flappserei und weiteren Paletten. Um 21:00 Uhr war die 6-Stunden-Schicht der Jungs fertig und da ich auch bereits seit 5 Stunden dort war, brach ich ebenfalls ab und freute mich auf eine heiße Badewanne im Häuschen meiner Großeltern um die Ecke.

Zwischendurch bekam ich mit, dass 1,2 – 1,5 Millionen Sandsäcke für die Absicherung einer Deichstrecke von 27km benötigt sein sollen und bislang (gestern und heute) 100.000 befüllt worden sein sollen. Hm, das ist noch nicht genug. Es wird im Kieswerk rund um die Uhr geackert, nachts mit Flutlicht. Es sind gefühlt ALLE Feuerwehren aus allen umliegenden Mini-Dörfern da, momentan in 6 Stundenschichten organisiert (evtl. sollen es 12 Stunden werden), THW ist auch da und irgendwo las ich, dass noch Bundeswehr kommen soll.

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Und es sind mehrere hunderte Bürger da, von ganz klein bis 60+ hab ich alles gesehen. Unheimlich viele Jugendliche, deren Schulen zum Teil geschlossen sind und als Unterkunft für Hilfskräfte genutzt werden.

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Es hat die Atmosphäre eines Volksfestes und man merkt, dass dieser Landkreis schon durch die Castor/Gorleben-Proteste sehr gemeinschaftserprobt ist. Ich werde morgen noch einige Stunden helfen, muss dann wieder nach Hamburg, werde aber zum Wochenende wieder hinfahren, vermutlich Freitag nachmittags oder abends.

Man fährt von HH aus nicht wirklich lange und es wird wirklich jede Hand gebraucht. Es ist anstrengend, dreckig, laut, staubig und mein Muskelkater kommt direkt aus der Hölle. ABER: es ist unheimlich befriedigend und ein prima kostenloses workout!

Will jemand mit mir mitkommen am Freitag? Ich kann auch ein paar Schlafplätze anbieten.

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