Ein Eimer ging ins Museum…

…und wollte darüber bloggen. Und zwar so richtig vernünftig, mit all den interessanten Informationen, Hintergründen zur Ausstellung, Verlinkungen und strukturiert und so. Tja. Vier Wochen später nun muss sich der Perfektionist in mir eingestehen, dass er nicht genug Zeit und Ruhe dafür hat und dass es auch anders gehen muss, sollte das Thema nicht komplett im Gedächtnisorkus verschwinden. Nun also anders. Einfach so drauf los, aus dem Bauch heraus. Und mal schauen, was von dem Gesehenen hinreichend beeindruckend war, dass ich mich auch nach vier Wochen Trubel noch daran erinnere.

Dass ich überhaupt in ein Museum gehe, ist seit Schulende ein eher seltenes Ereignis. Im Grunde ist das schade, immer mal wieder denke ich, man sollte ja mal… ich würde eigentlich schon ganz gerne mal… man müsste im Grunde ja auch viel häufiger…  Passieren tut nix. Sie kennen das. Woran hapert es? Bei mir gab es in der Vergangenheit einen absoluten Overkill davon, zu Museumsbesuchen gezwungen zu werden, und dann aber völlig auf sich allein gestellt vor einer Vielzahl von Objekten zu stehen und keinerlei Kontext geboten zu bekommen. Erschlagen durch Masse und gleichzeitigem Mangel an Information, öde.

Da traf es sich gut, dass Isa so ganz pfiffig irgendwie eine Bloggerführung im Museum für Völkerkunde organisiert bekommen hatte und mich dann auch noch freundlicherweise trotz meiner katastrophalen Postfrequenz zu eben dieser mit einlud. Es ging irgendwie um schwedisches Design, im Vorfeld habe ich mich nicht weiter damit beschäftigt, auch der Zusammenhang zur Völkerkunde war mir nicht ganz klar, aber egal. Ich wollte da hin gehen, interessant würde es sicher werden, dachte ich mir. Und wenn nicht, dann habe ich wenigstens endlich mal wieder liebe Menschen getroffen. (Wir waren dann zwar nur zu dritt, aber es war trotzdem klasse!)

Tja, was hab ich denn nu noch im Kopf von der Ausstellung? Die Photos, die ich machte, werde ich erst hinterher anschauen, ich bin grad wirklich neugierig auf mein Hirn. Die Ausstellungsstücke waren wohl alles Gewinner zweier Designwettbewerbe. Was genau der Unterschied der beiden war, keine Ahnung, in den Exponaten konnte ich kein Themenschnitt erkennen, das war alles ziemlich querbeet. So, dann mal los, das gab es unter anderem zu sehen:

Im Grunde total simpel und immens praktisch: eine Vorrichtung, an der über ziemlich viele Rollen mit verdammt viel Seil ein Haufen Sandsäcke hochgezogen werden kann. Das was dann beim langsam wieder runter kommen der Säcke an Energie freigegeben wird, erzeugt dann hinreichend Strom, um eine Dreiviertelstunde Licht zu erhalten.

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Säckchen, die quasi eine mobile Toilette sein sollen, passenderweise “PeePoo” genannt. Ich meine zu erinnern, dass die entweder aus entsprechendem Material waren oder, dass eine Art Granulat drin war, so dass die Ausscheidungen sich in nutzbaren Dünger verwandeln. Abgesehen vom höheren Hygienefaktor also auch noch zusätzlich hilfreich.

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Und dann war da noch der Kocher, der mit unterschiedlichem Brennmaterial genutzt werden kann und wohl besonders effizient heizt, sowie sehr einfach zusammenzubauen ist.

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Dass mir gerade diese drei Exponate als erstes einfallen, verwundert mich nicht, haben sie doch ein sehr eindeutiges Motiv, Probleme zu lösen, die in einer Vielzahl weniger entwickelter Länder vorherrschen.

Dagegen ist die Ansammlung verschiedener Alltagsgegenstände, die einen anderen Nutzen haben, als es einem auf den ersten Blick erscheint, mir vor allem wegen des Gehstockes in Erinnerung geblieben. Kein Wunder, denn dieser sah aus, wie ein Regenschirm. Und wir ließen vor einigen Jahren meinen Großvater 2 Jahre lang “am Schirm” statt am Stock gehen, um ihn überhaupt dazu zu bekommen, sich den dringend notwendigen Halt zu erlauben. (Großvater, damals 85: “Gehstöcke sind doch was für alte Tattergreise. So alt bin ich noch nicht.”)

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Des Weiteren gabe es kleine Plastik-steckdinger, die man an Pappen befes-tigen konnte und aufgrund der ver-schiedenen Winkel unterschiedliche Dinge bauen konnte. Sehr simpel und vermutlich Bastel-kreativität bei Kindern auslösend.

Natürlich waren noch diverse andere Exponate zu sehen, unter anderem ein besonders belastbarer Teppich aus merkwürdigem Material (fühlte sich nicht gemütlich an),

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ein Schrank mit eigenwilliger Oberfläche,

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ein Braille-Drucker (da fragte ich mich wirklich, was an dem nun so anders oder neu sein soll, gibt es so etwas nicht schon?),

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ein extrem leichter Rollstuhl und Schilder (waren die nun in einem besonderen Design oder was genau war das pfiffige daran? Aber ich mochte sie).

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Und das Tablett-Set, welches meinen inneren Monk erfreute. Insgesamt war es eine kleine, übersichtliche Ausstellung, und ich habe noch überraschend viel im Kopf vor Augen. Vermutlich auch, weil viel erklärt wurde, was mein Gefühl des Verlorensein bei Museumsbesuchen massiv verringerte.

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Dennoch habe ich für mich festgestellt, dass ich gar nicht so viel aus so einem Besuch mitnehmen oder erinnern muss. Gerade jetzt mit Abstand zurückgeblickt merke ich, dass ich eine Erwartungshaltung an mich selber gestellt hatte, die gar nicht notwendig ist. Ich hatte ein paar feine Stunden im Museum in famoser Begleitung und fand das genau richtig so. Nicht mehr und nicht weniger. Ich glaube, diese Art mich in portionierten Häppchen Kunst oder Kultur auszusetzen, reicht für mich vollkommen. Diese Erkenntnis mitzunehmen, das ist vermutlich mein ganz eigener Gewinn dieses Ausfluges.

Isa und die Frische Brise haben natürlich schon damals über unseren Museumsbesuch gebloggt.

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