London I – Prelude

Mittwochabend: Ich sitze vor drei verschiedenen Wetterberichten für London und frage mich, was ich nun packen soll. Es wird kalt, und warm, und sonnig, und regnerisch.

Morgen geht es los, das erste Mal seit vier Jahren werde ich wieder in London sein. Ich habe diese Stadt, in der ich mich so wohl fühlte, in der ich mir ein Leben aufgebaut hatte, unter Umständen verlassen, die sich drei Wochen nach meiner Rückkehr in Luft auflösten. Ich hab mein Leben in London ewig lange vermisst und bitter bereut, den Schritt zurück nach Deutschland gewagt zu haben. Fast jeder, mich eingeschlossen, fragte mich, warum ich denn nicht wieder rüber ginge. Es ging nicht. Aus diveren Gründen. Als es theoretisch wieder ging, waren zwei Jahre vergangen und mein Gefühl sagte mir, ebenso wie mein Verstand, dass das was ich vermisste, ohnehin nicht mehr dort sein würde.
Noch ein weiteres Mal ganz von Vorne anfangen? Von Null? Bei aller Liebe zu dieser Stadt, dafür ist sie zu anstrengend und zu teuer. Zu Besuch rüber fliegen wollte ich erst aus emotionalen Gründen nicht, dann konnte ich aus finanziellen Gründen nicht.

Nun ist es soweit, ich kann es mir leisten, finanziell und, so hoffe ich, auch emotional. Ich frage mich, wie es sich anfühlen wird. Kenn ich mich noch aus? Wieviel hat sich verändert, was ist noch vertraut? Werde ich wie einer der doofen Touristen, die mich damals als Pendler immer so nervten, planlos in den Tubestationen umherirren? Werde ich gewohnte Wege gehen, ohne auf Googlemaps zu schauen, schauen zu müssen? Werde ich mich wie zu Hause, einfach nur als Besucher oder womöglich wie ein Tourist fühlen?
Ich habe noch meine Oystercard, ob da wohl noch Guthaben drauf ist? Kenne ich meine PIN noch? Wieviele Tränen werde ich vergießen? Und aus welchen Gründen? Vor Wiedersehensfreude oder aus Frustration und Trauer über meine damalige Entscheidung? Wird dieser Trip es mich erneut bereuen lassen, der Liebe gefolgt zu sein, die dann so plötzlich verschwand?

Schon vor Wochen habe ich meine Unterkunft gebucht, über AirBnB habe ich ein Hausboot gefunden, auf dem ich bleiben werde. Meine Gastgeber werden einen Tag nach meiner Ankunft für ihre eigene Hochzeit nach Frankreich fahren, ich werde das Boot für mich allein haben. Ist das gut oder schlecht? Es liegt auf jeden Fall in einer Gegend von London, die mir recht unvertraut ist. Ich will mich nicht zu schnell mit dem konfrontieren, was ich zurückließ, lieber etwas ganz Neues entdecken. Und ein Hausboot, das ist ja mal was Neues, für mich zumindest.

Ich breche das Packen ab und besuche meinen Großvater, der mir empfiehlt auf jeden Fall die Silver Vaults zu besuchen. Ich habe noch nie von denen gehört, werde es googlen und seinem Rat folgen. Es wird ein schwerer Abschied, ich weiß nicht, ob er noch lebt, wenn ich wieder komme. Aber das ist jetzt bei jedem Besuch bei ihm so. Ich hole tief Luft, sage ihm erneut, wie sehr ich ihn liebe und gehe. Ein weiterer Zwischenstop bei meinen Eltern lässt mich auch auf meinen Neffen treffen. Er erinnert mich daran, dass es auch ein Gutes hat, dass ich nun wieder in Hamburg bin. Ich tanke Kraft beim Neffenkuscheln und gehe dann nach Hause und nicht all zu spät schlafen. Morgen wird fertig gepackt. Morgen geht es los. Morgen wird spannend.

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