London II – Homecoming?

Donnerstag: Ich wache recht früh auf, packe zwar drei Mal aber recht unpanisch um und mache mich auf den Weg zum Flughafen. Keine Schlange beim Bagdrop, ich bin viel zu früh da, mit Absicht. Security geht auch flugs, trotz einiger Passagiere, die meinen rumargumentieren zu müssen, weil sie bei irgendeinem anderen Flughafen mal nicht ihren Gürtel haben ablegen müssen. Herrje, quatscht nicht, macht hinne. Ist doch eigentlich nicht so schwer.

Ich steuere zielstrebig die Ecke mit den mobilen Massagestühlen an und lass mir erstmal meine Betonschultern lockern. Warum auch nicht, es soll ja Urlaub sein. Ein halbe entspannte Stunde später trödele ich zum Gate, der Schalter hat noch nicht geöffnet und trotzdem ist die Schlange schon unruhig lang. Ich werde diese Panik beim Boarden nie verstehen. Ich lese noch eine Runde und gehe als vorletzte in den Flieger.

Der Flug vergeht während ich lese in der Tat wie im Fluge, um beim Landeanflug etwas zu sehen, ist es zu bewölkt, und eh ich es mich versehe bin ich schon durch die Passkontrolle und habe meinen Koffer. Seit wann geht T5 so problemlos? Verfrüht waren wir auch noch.

Die erste Feuerprobe besteh ich an nem ATM mit Bravour, PIN noch bekannt, Geld kommt raus und ich lade als erstes meine Oystercard auf und besorge mir ne UK sim card. Der Typ, der sie mir verkauft ist charmant und zuvorkommend. Später fällt mir auf, dass das was ich instinktiv als so vertraut wahrgenommen habe, mir während des Verkaufs- und Einstellungsvorganges (den er netterweise gleich mit übernahm) so gar nicht auffiel, weil es in London so normal ist: Ich stand an einem Tresen mit drei Verkäufern, sieben Passagieren und fünf oder sechs anderen Flughafenangestellten und war weit und breit die einzige Weiße. Das mag vielleicht an einem Flughafen noch nicht so bemerkenswert sein, aber es wird sich auch durch die nächsten Tage ziehen, alles ist im allerbesten Sinne viel bunter, gemischter und es fühlt sich für mich einfach richtig an.

Ohne darüber nachzudenken finde ich mich wenige Minuten später in der Piccadilly Line wieder und brauche geschlagene 5 Stationen um zu verstehen, warum einge der umsitzenden Touristen bei jeder Ansage von “This is the Piccadilly service to Cockfosters” vor sich hin giggeln. Ich glaube, ich bin angekommen.

Zum Glück erinnerte ich mich vorher noch daran, dass es in der tube, solange sie unterirdisch fährt, keinen Handyempfang gibt und habe wie vereinbart eine SMS an meinen Gastgeber JB abgesetzt. Als die tube in die erste oberirdische Station einfährt, regnet es heftigst in den Waggon hinein, mäh, hoffentlich muss ich nicht durch den Regen laufen nachher.

In King’s Cross angekommen mache ich mich auf den beschrieben Fußweg zum Hausboot und erhalte kurze Zeit später eine SMS: I think you’ve got the wrong number, but have a lovely trip. Damn! Dann weiß JB gar nicht, dass ich in 5 Minuten da bin. Ich rufe ihn direkt an und schildere das Dilemma. Ich kann schon das Hausboot auf der anderen Kanalseite sehen.

DSC_0003

Ganz hinten rechts: die Galatee.

Er ist entspannt, selber zwar noch unterwegs, aber H ist schon zu Hause, er wird ihr Bescheid sagen. Eine gefühlte Sekunde nach Auflegen sehe ich schon H mit dem Handy am Ohr vom Hausboot aus mir zuwinken. Mit fuchtelnden Armen deutet sie mir den Weg und zwei Minuten später stehen wir voreinander.

DSC_0001

Sie umarmt mich herzlich zur Begrüßung und keine 5 Minuten später sind wir bereits so fleißig am quasseln, dass man meinen könnte, wir kennten uns schon seit Jahren. Ich fühl mich sofort wohl. Nebenbei zeigt sie mir das Boot, erklärt mir die Pumpe an der Dusche und wir leeren gemeinsam die Toilette aus, damit ich weiß, wie das zu erledigen ist. Das klingt sehr viel merkwürdiger als es ist.

Da die beiden morgen nach Frankreich fahren werden, um dort zu heiraten, werde ich die restliche Zeit alleine auf dem Boot sein. Das hatten wir schon vorab schriftlich alles besprochen, dennoch bin ich erneut gerührt über das Vertrauen, dass die beiden mir entgegen bringen. Auch haben sie mir Mengen an Lebensmitteln eingekauft, ich soll mich einfach bedienen, sie führen ja eh weg. Das ist nicht unbedingt üblich bei AirBnB, aber in diesem Fall einfach eine freudige Überraschung. Als JB auftaucht bin ich mit ihm sofort genau so vertraut, die beiden sind wirklich eine Wucht.

Da sie mitten im Pack- und Organisationschaos stecken, lasse ich sie alleine. Nicht weil sie mir das Gefühl geben, ich störe, ganz im Gegenteil, aber ich möchte mich auch noch ein wenig im Hellen mit der Gegend vertraut machen. Und so stromere ich mit der Kamera los, währen sie einen Punkt nach dem nächsten auf ihrer Liste abarbeiten.

DSC_0006

Die Galatee liegt auf dem Regent’s Canal.

DSC_0007

Auch Häuser können Bart tragen.

DSC_0019

St. Pancras Renaissance Hotel

DSC_0016

St. Pancras Renaissance Hotel

DSC_0017

King’s Cross Station and Square

DSC_0021

Inside St. Pancras Station

DSC_0025

Paul Day’s sculpture The Meeting Place

DSC_0024

Fries am Sockel

DSC_0026

Fries am Sockel

DSC_0027

Fries am Sockel

DSC_0030

Fries am Sockel

DSC_0032

Fries am Sockel

DSC_0035

Betjeman Arms

DSC_0037

I forgot what building that was…

DSC_0039

Look left is right, right?

DSC_0044

St. Pancras Renaissance Hotel

DSC_0045

Freundlich gefragt, stolzes Lächeln erhalten. Ich mag diese Kopfbedeckung.

This entry was posted in Factual, Feelings, Travel. Bookmark the permalink.

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s