London VIII – Silver Vaults

Montag früh vor Tau und Tag mache ich mich auf nach Holborn, um erneut und diesmal mit mehr Zeit, in die Silver Vaults zu gehen. Wie bereits am Samstag wird am Eingang kurz, aber aufmerksam in meinen Rucksack geschaut und beim Anblick meiner Kamera eine Ermahnung über das Photographierverbot ausgesprochen. Dieses gilt allerdings nur in den Gängen. In den einzelnen Vaults darf, mit Einverständnis der Ladeninhaber, dann doch photographiert werden.

Ich lasse mich durch die Gänge treiben und schaue erstmal nach Läden, die Taschenuhren anbieten. Das sind nur wenige, einer hat sich insbesondere darauf spezialisiert. Das macht sich auch sofort in den Besonderheiten und somit auch Preisen für die einzelnen Stücke bemerkbar. Auch als ihm klar wird, dass seine Uhren meilenweit außerhalb meines Budgets liegen, erklärt mir der ältere Herr in diesem Vault mit einer ansteckenden Begeisterung die Mechanik der verschiedenen Uhren. Einige können nicht nur zur Stunde schlagen, sondern präzise über verschiedene Töne die genaue Zeit angeben. Ich staune und vertrödele so mal eben vollkommen fasziniert mehr als eine Dreiviertelstunde. Es wird aber schnell deutlich, dass die Taschenuhr, die ich bereits am Samstag fand, genau die richtige und auch noch im Preis vertretbar ist.

Als ich dem Laden (Vault 7) wieder auftauche, strahlt mich der Besitzer an und sagt grinsend zu seinem Bruder, er habe doch gewusst, dass ich wieder käme. Und mir erzählt er, dass ein anderer Ladeninhaber ihm eigentlich Samstag noch die Uhrenkette hatte abkaufen wollen, er ihn aber meinetwegen auf Montagabend vertröstet hatte. Ich unterhalte mich noch einige Zeit mit den Brüdern und schaue dabei schon mal hie und da auf Preise für Teekannen. Denn ebenso, wie ich im Großvaterauftrage etwas für meinen Bruder besorgen soll, hatte er mir aufgetragen, mir auch selber was Hübsches zu kaufen. Als begeisterter Teetrinker liegt da eine entsprechende Kanne nahe.

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Man weiß nicht, wohin man zuerst schauen soll

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Verdammt großer Sektkühler in der Mitte.

Ich stromere durch verschiedene Läden, schaue verschiedene Modelle an, vergleiche Preise, lasse mir die Stempel erklären, die Aufschluss über Jahr und Herstellungsort geben. Generell habe ich immer wieder einfach angenehme Unterhaltungen mit den Verkäufern. Einer vermutet mich aus Australien. Ich versteh das nicht. Erst recht nicht, seit ich die Aussies vor Ort hab reden hören. Nein, so klingt mein Akzent nun wirklich nicht.

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Diverse Kannen und andere Behältnisse.

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Dinge, die meiner Oma gefallen hätten.

Ich komme zu Vault 53, der, wie man mir sagte, mehr “Frauen-Dinge” haben soll. Mich sprechen die jetzt weniger an, ich brauche keine mit Emaille besetzten Döschen oder Handspiegel, aber ich mag sofort die warme Ausstrahlung, die mir von Linda entgegen kommt. Sie hat die für mich angenehme Mischung aus Aufmerksamkeit schenkend und in Ruhe gucken lassend. Ich schaue mich um, lasse mir eine Kanne zeigen, die mir gefällt und bin über den Preis sehr überrascht. Kannen im gleichen Stil aus ähnlichen Jahren und Manufakturen habe ich in anderen Vaults für einiges mehr gesehen. Es stellt sich später nach weiterer Recherche heraus, dass dies aber aus mehreren Gründen Sinn ergibt, nur mit schlechterer Qualität hat es zum Glück nichts zu tun.

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Das ist dann mehr meine Farbe.

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Die wiederum nicht so.

Linda bedient auch gerade eine Japanerin, die einen massiven Großeinkauf tätigt und ich signalisiere ihr, dass ich an der Kanne interessiert bin, aber später wiederkommen werde. Ich schaue mir zwischenzeitlich noch weitere Vaults an und kehre dann zu Linda zurück. Wir halten ein Schwätzchen, ich schaue mir noch die Taufbecher genauer an und schlage dann zu. Sie bittet darum, mir die Kanne erst später zuschicken zu dürfen. Ich gucke verdutzt. Sie würde sie gerne noch für mich überarbeiten und ordentlich polieren lassen, ohne Aufpreis, und dann auf ihre Kosten zu mir nach Hause schicken. Prima, dann muss ich das Ding jetzt nicht mitschleppen. Ich bin begeistert. (Es klappte auch hervorragend.)

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Kleiner Laden, große Auswahl. Vault 53.

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Tauf- und Sahnebecher.

 

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Miniaturgedöns.

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Noch mehr Miniaturgendöns.

Während vorhin noch die Japanerin bedient wurde, konnte ich ein paar Photos machen. Es ist nicht ganz einfach mit der Beleuchtung und ich hab auch wenig Ahnung davon, wie man mit den ganzen Glasfronten, Spiegeln und Lichtern am besten umgeht, aber als Teaser sind sie nicht ganz schlecht. Ich würde ohnehin jedem empfehlen, sich das alles selber anzuschauen. In Ruhe und mit viel Zeit. Und dann auch auf jeden Fall in Vault 7 bei Howard Linden und Vault 53 bei Linda Jackson vorbeizuschauen. Die beiden waren mir am sympathischsten. Und das lag nicht daran, dass ich dort etwas kaufte und dass die dort daher besonders freundlich und offen zu mir waren, sondern weil sie so waren und ich dort fand was ich suchte, kaufte ich dort besonders gerne.

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Schalen

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Noch mehr Dinge, die Oma gefielen.

Als ich in einer großen Schüssel mit Löffeln wühlte, war Linda auch sehr pragmatisch und unkompliziert: Kipp doch einfach alle auf den Teppich, dann siehst Du auch die, die ganz unten sind. Gesagt, getan.

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“Kipp einfach alles aus! Dann kannst Du besser schauen.”

Ich hätte sicherlich noch mehr Zeit dort verbringen können, aber wohl besser nach einer Pause, man hat sich irgendwann an Allem etwas übersehen. Die Augen springen hin und her und wenn man nicht recht gezielt guckt, dann kann es einen alles optisch erschlagen. Aber selbst wenn man nichts Konkretes sucht, was es mir einfacher machte, fokussierter in die großen Ausstellungsregale zu blicken, so wird man doch sicher auch fündig, denn auch für geringe Beträge gibt es schon schöne Stücke zu erstehen. Es gab auch noch einen Vault mit Schmuck, da hab ich aber nur ein bisschen geschaut und geschwatzt. Da ich so gut wie nie Schmuck trage, war das nur limitiert interessant für mich. Die Stücke waren aber sehr schick und durchaus nach meinem Geschmack.

Mehr über die Silver Vaults und ihre Geschichte gibt es auf dieser website. Dort findet sich auch eine Übersicht über die einzelnen Vaults und worauf die sich jeweils so spezialisiert haben. Der Tip meines Großvaters war nicht Gold wert, aber Silber, und somit goldrichtig. Und dadurch, dass ich von ihm von den Vaults erfuhr, hatte ich ihn irgendwie die ganze Zeit  bei mir.

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