Zehn(+) Bücher

Am Samstag listete die von mir sehr geschätzte und gern gelesene Christine Finke, alias “Mama arbeitet“, auf FB zehn Bücher, die sie irgendwie begleitet bzw. eher geprägt haben. So war es ihr als „Aufgabe“ gestellt worden und so forderte sie einige andere auf, es ihr gleich zu tun, so auch mich.
Ich finde es, wie wahrscheinlich die meisten, nicht ganz einfach, mich auf zehn Titel zu beschränken und vor allem, wenn ich schon nur zehn auswähle, das ohne Begründung stehen zu lassen. Daher jetzt hier meine Auflistung, mit Begründung, aber ohne explizite Reihenfolge.

1) “Madita” von Astrid Lindgren. Im Grunde steht Madita stellvertretend für alle Bücher dieser wunderbaren Autorin. Warum dieses und nicht Pippi oder Ronja? Weil Madita bei uns in der Familie durch meinen kleinen, damals noch kaum sprechenden, Bruder zum Synonym für „Sonntagmorgens von Oma im Bett mit Kakao und Buchstabenkeksen vorgelesen bekommen“ gemacht wurde.

2) “Die Kinder aus No. 67” von Lisa Tetzner. Ich kann tatsächlich nicht so recht den Finger drauf legen, warum mir ausgerechnet dieses Buch, bzw. die zu diesem Titel gehörigen vier Bände, in Erinnerung geblieben sind. Aber allein die Tatsache, dass gerade dieser Titel mir nach über 20 Jahren im Kopf geblieben ist, sagt ja schon einiges aus. Ich erinnere mich noch daran, wie diese Bücher aussahen, dass ich sie verschlang und gebannt die Handlung verfolgte. Ich habe damals unheimlich viele Bücher der Jugendbuchreihe vom dtv gelesen, meist zwei bis drei Jahre vor dem jeweils empfohlenen Alter, weil ich alle anderen bereits durch hatte. Ich möchte diese Bücher auch heute noch einmal lesen. Das alles zusammen, finde ich, qualifiziert es definitiv für diese Liste.

3) “Der Medicus” von Noah Gordon. Ich befürchte, ich habe dieses Buch gelesen, als ich noch viel zu jung dafür war, es wirklich gut zu verstehen. Ich las es, als ich krank war, an einem Tag durch. In Erinnerung geblieben ist mir meine Faszination mit einer ganz bestimmten Szenenbeschreibung. Ich lasse mal offen, welche Szene das war, der eine oder andere wird es ahnen können.😉 Auch ein Buch, welches ich sicherlich bald mal wieder lesen werde.

4) “Sofies Welt” von Jostein Gaarder. Ich konnte mit Philosophie nicht viel anfangen, auch heute noch reizt mich das Thema nicht unbedingt, ist eher eins von dem ich denke, ich müsste mich doch eigentlich mal mehr damit beschäftigen, aber die richtige Begeisterung kommt nicht auf. Und genau das macht dieses Buch besonders für mich, denn ich las es tatsächlich sogar drei Mal. Allerdings zwei Mal davon nur in Teilen, nämlich jeweils einmal die Briefe von Sophie und einmal von dem alten Mann, in der dritten Runde dann von vorne bis hinten wie ein normaler Leser.

5) “Flowers in the Attic” von Virginia C. Andrews. Dieses Buch, das erste einer mehrbändigen Reihe, wurde mir von einer englischen Freundin empfohlen, als ich begann wirklich Englisch zu lernen. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt bereits vier Jahre lang Englisch in der Schule gehabt, tat mich aber schwer damit, Bücher auf Englisch zu lesen, weil ich mich immer damit verrückt gemacht habe, nicht jede Vokabel zu verstehen und somit meinte, sie nachschlagen zu müssen. Das hat mich natürlich vollkommen aus jeglichem Leserhythmus gebracht und mir den Spaß an englischsprachiger Lektüre vermiest, bzw. in der Schule zur Qual gemacht. Die Empfehlung wirkte: es war so geschrieben, dass man die Bedeutungen aus dem Kontext gut erfassen konnte, auch wenn zu Beginn noch recht viele Vokabeln pro Seite fehlten. Ich war derart gebannt von der Geschichte, die zusätzlich auf einer wahren Begebenheit beruhen sollte und mich daher doppelt faszinierte und gruselte, dass ich meinen Perfektionsdrang, absolut alles genau verstehen zu wollen, sehr schnell vergaß.

6) “Lysistrata” von Aristophanes. Da mir nicht nur die eine sondern auch die andere tote Sprache in der Schule vorgesetzt wurde, gab es dieses Stück im Original, also auf Alt-Griechisch, zu lesen, wobei „zu übersetzen“ es wohl eher trifft. Solche Übungen haben mir zumeist wenig Spaß gemacht, jedoch war dieses Werk von unserem großartigen Referendar vorzüglich gewählt. Die Aufmerksamkeit einer Horde pubertierender Schüler ist eben am besten mit den versauteren Werken der alten Griechen zu gewinnen, und davon haben die eigentlich einige zu bieten. Der Referendar setzte dann noch einen drauf und versah eigenhändig die Comic-Version (ich meine zu erinnern, dass die von Ralf König war) mit den Originalsätzen. So klappt‘s auch mit den „Sorgenschülern“.

7) “Romeo and Juliet” von William Shakespeare. Im Original und im Grunde unter Zwang, da im Englisch Leistungskurs, gelesen. Aber der Schönheit der Sprache von Herrn Shakespeare konnte selbst der Interpretationswahn meiner Englischlehrerin nichts anhaben. Zum Glück! Denn viele andere gute Bücher hat mir diese Dame mit ihren absurden Aufsatzthemen echt ruiniert.

8) “Financial Accounting” von Libby, Libby and Short. Ein echtes Fachbuch, ja. Noch dazu eines, welches man vom Umfang her äußerst effektiv gegen Einbrecher einsetzen könnte, sofern man genug Muskeln hat, es hochzuheben. Aber es hat einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen, denn es ist derart sinnvoll strukturiert und angenehm geschrieben, dass ich es relativ mühelos im Selbststudium durcharbeiten und mich zu einer sehr erfreulichen Klausurnote bringen konnte, obwohl ich die 30 Kontaktstunden mit dem Prof zu diesem Thema komplett verpasst hatte. So müssten alle Lehrbücher aufgebaut sein.

9) “Call the Midwife” von Jennifer Worth. Hach! Einfach nur hach! Ganz zauberhaft geschriebene Lebenserinnerungen einer Hebamme und Krankenschwester im Londoner East End der Nachkriegszeit. (Und nicht minder zauberhaft von der BBC filmisch als Serie umgesetzt.) Man lebt die Geschichten mit, lacht, leidet, weint, ist berührt und erfährt nebenbei noch sehr viel über die Anfänge der NHS, den schon (für mich zumindest) recht beeindruckenden medizinischen Wissensstand dieser Zeit (mit sehr beschränkten Mitteln), überhaupt über den herrschenden Zeitgeist und Auswirkungen dunklerer Kapitel der englischen Geschichte (Stichwort Work Houses). Darüber hinaus fand ich die Ausführungen zum Cockney Rhyming Slang wahnsinnig interessant. Cockney wird gerne mal zu Unrecht mit „ungebildet“ oder „primitiv“ assoziiert, dabei steckt so viel mehr dahinter und es ist eigentlich eine wahnsinnig clevere und komplizierte Sprachvariante.

10) “Stasiland” von Anna Funder. Uff! Das war das vorherrschende Gefühl, welches ich bei dieser erst kürzlich genossenen Lektüre hatte. Aber ein interessantes ‚uff‘. Die Autorin ist Australierin, die Deutsch spricht und sich in Berlin 1994/96 auf die Suche nach Geschichten von Opfern und Tätern rund um die Stasi macht. Das ist noch so frisch, noch so wenig „Geschichte“ mit der normalerweise damit assoziierten zeitlichen Distanz, dass es einem nicht leicht fällt, sich immer wieder daran zu erinnern, dass dies kein Roman ist. Über Vieles was ich las hatte ich bereits gehört oder davon gelesen, aber dennoch, diese recht kompakte Zusammenstellung und die Verknüpfungen der verschiedenen Begebenheiten durch die Empfindungen und Gedanken der Autorin selber, ergeben einen irre lesenswerten und lehrreichen Einblick in ein, in meinen Augen noch viel zu wenig adressiertes und erst recht nicht aufgearbeitetes, Kapitel der ganz jungen deutschen Geschichte.

Da ich mich partout nicht entscheiden konnte und ich außerdem als Zahlenliebhaber mit der 13 ein ganz besonderes Liebesverhältnis pflege, gibt es hier noch drei Bonus-Bücher:

a) Aus vergangener Zeit ist das “Die Welle” von Mortin Rhue. Ich glaube kaum, dass eine Erklärung notwendig ist, warum dieses Buch einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen hat. Wer das nicht nachvollziehen kann, hat es entweder nicht gelesen, und sollte dies dann schleunigst nachholen, oder mir erklären, warum er das nicht nachvollziehen kann. Das würde mich wirklich interessieren.

b) Und kürzlich, gerade erst im Urlaub gelesen, “The Rosie Project” von Graeme Simsion. Es sprach mich einfach an, ich habe lange nicht mehr so viel gelacht beim Lesen eines Buches, mich gleichzeitig mit dem Hauptcharakter so wohl gefühlt, mit ihm und für ihn gelitten, mich mit ihm zum Teil identifizieren können und ach, lest es einfach.

c) Ebenso gerade im Urlaub verschlungen habe ich “Dachdecker wollte ich eh nicht werden” von Raul Krauthausen. Ich wäre ja dafür, dass das in Schulen gelesen wird. Und auch sonst wo. Von ganz vielen. Denn es ist einfach gut! Authentisch, ehrlich, berührend, informativ und lehrreich.

Andere zu ‘nominieren’ lasse ich an dieser Stelle aus, aus Gründen.

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2 Responses to Zehn(+) Bücher

  1. Vielen Dank für das “sehr geschätzt” und “gern gelesen”. Solche Dinge machen mich glücklich! Und die Auflistung habe ich nicht nur gern gelesen, sondern werde ich als Inspiration nehmen.

    Allerherzlichste Grüße,
    Christine

  2. extramittel says:

    Madita, ja! Das habe ich mit größtem Vergnügen dem begeisterten Sohn vorgelesen. So ein tolles Buch, durchaus auch für Erwachsene! (Als er sich den 2. Band zum 7. Geburtstag wünschte, fragte die Mutter eines Freundes, ob es ihn nicht störe, dass die Heldin ein Mädchen sei.)

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