You’ve gotta get up and try, try, try…

Manchmal muss man ja einfach aufstehen und sich trauen. Hat unter anderem Pink drüber gesungen. Und ich dann letzte Woche auch.

Hä?
Worum geht es?

Vor einiger Zeit las ich irgendwo über “Hamburg singt – Der Chor für alle“, ich glaube, es war beim Herrn Buddenbohm, der hat ja immer sehr interessante links in seinem Blog. (Edit: War natürlich dort, und zwar genau hier.) Ich war neugierig geworden, zumal ich sehr lange in einem Chor gesungen habe und sehr gerne wieder in dem dazu passenden Nachfolger-Chor singen würde. Jedoch ist es leider aus beruflichen Gründen für mich nicht möglich, regelmäßig zu Proben zu erscheinen, somit fällt das flach. Aber beim Hamburg singt Chor ist das nicht weiter schlimm, also suchte ich meinen Terminkalender nach dem nächsten freien Termin ab.

Bis zum ersten passenden Termin waren noch ein paar Wochen hin, also wirklich ausreichend Zeit für meine Nervosität um ordentlich durchzudrehen. Ich hatte wirklich so gar keine Ahnung, was mich erwarten würde. Weder was den Ablauf anbetrifft, noch die Anzahl der Teilnehmer. Der Gedanke daran, alleine dort hin zu gehen ließ meine geballten Unsicherheiten hochkommen und bis kurz vor Beginn diskutierte ich in meinem Kopf mit mir selber. Ich könnte ja auch einfach nach Hause gehen, ich würde ja niemanden versetzen. Aber ich versuchte mich zusammenzureißen.

Mit zitternden Händen und Herzschlag bis zum Hals ging ich dann aber nach der Arbeit rüber zu dem Gebäude, in dem gesungen wird. Es befindet sich ungefähr 50m Luftlinie von meinem Büro, sehr angenehm. Etwas verloren stolperte ich durch die Tür hinein und folgte den anderen, kaufte eine Karte und versuchte herauszufinden, wo ich mich am besten hinsetzen könnte. Alle um mich herum kamen entweder zu zweit, in größeren Gruppen oder warteten sichtlich noch auf Verabredungen.

Ich setzte mich auf die Empore, auf der laut Plan die tiefen Frauen- und hohen Männerstimmen angesiedelt sein sollten. Der Platz war ideal, um mich umzuschauen und alles auf mich wirken zu lassen. Innerlich kämpfte ich immer noch mit meinem Fluchtreflex und begann, hallo Übersprungshandlung, mir noch ein paar Notizen für die Arbeit zu machen.

Eine Frau setzte sich neben mich, die Freunde, die sie erwartete tauchten doch nicht auf und wir kamen kurz ins Gespräch. Einen Moment später ging es dann auch schon los: die Band begann zu spielen, die zwei Solisten und der Chorleiter zu singen, ein Text wurde an die Wände projiziert, alle standen auf und begannen ebenfalls zu singen. Huch! Das hat mich dann doch etwas überrumpelt, zumal es kein mir bekanntest Lied war, den Zeilen nach zu urteilen scheint es aber wohl das übliche Anfangslied dort zu sein.

Dann begrüßte der Chorleiter alle, ich bekam nur die Hälfte mit, weil ich mir die ersten 15 Minuten noch völlig unbeholfen und fehl am Platz vorkam. Aber langsam kam ich rein und es wurde einfach gesungen, ganz entspannt. Ab und an wurde ein Refrain oder eine Strophe mehrfach wiederholt, um die Melodie zu lernen, auch in unterschiedlichen Stimmen. Aber im Grunde war es ganz leicht, einfach mitzumachen.

Die Lieder scheinen zum größten Teil jede Woche neue zu sein, man kann am Ende beim Rausgehen auch Vorschläge hinterlassen. Wir gingen mehrfach durch insgesamt sechs Stücke* durch und sangen am Ende dann noch einmal alle hintereinander weg. Die Stücke waren gut ausgesucht, um sie in dieser Form zu singen. Eins kannte ich gar nicht, die meisten gefielen mir gerade zum Singen sehr gut. Zum Schluss gab es dann noch ein entsprechend umgetextetes “In Hamburg singt man Tschüss”.

Meine Nerven hatten sich nach ungefähr dem zweiten Lied beruhigt, ich war mit etwas beschäftigt, was ich ganz gut kann, singen. Der Chorleiter ist eine echte Rampensau, die Band spielte mitreißend und die Solistinnen hatten geniale Stimmen. Nach Ende der Probe stellte sich bei mir ein bekanntes Gefühl ein, so hatte ich mich früher auch schon nach Chorproben gefühlt: “freigesungen”, entspannter, für eine Weile aus der Welt herausgerissen. Im positivsten Sinne.

Ich weiß jetzt schon, dass ich mich auch beim nächsten Mal werde wieder sehr überwinden müssen, um mich da erneut hin zu trauen. Die Unverbindlichkeit, die ich eigentlich so gar nicht gerne mag, ist bei diesem Format nun genau das, was es mir überhaupt erst ermöglich, daran teilzunehmen. Also werde ich erneut aufstehen und versuchen, mich nicht selber verrückt zu machen, denn:

You’ve gotta get up and try, try, try…

*
Made In England – Elton John
Try – Pink
Ohne Dich – Münchner Freiheit
The Worlds Greatest – R. Kelly
I Want It All – Ronan Keating
I Try – Macy Gray

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2 Responses to You’ve gotta get up and try, try, try…

  1. Gesa says:

    Na, es gäbe ja sicher andere tiefe Frauenstimmeninhaberinnen, die sich zum Mitkommen überreden lassen könnten, weil sie sich alleine bisher auch nicht trauten. Allein 19 Uhr wird knapp, aber vielleicht kommt der Mann ja mal früher nach Hause und ich kann mich in einen früheren Bus werfen.

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