Der Tod ist nicht das Ende – #1000Tode

„Er ist für immer von uns gegangen.“

Dieser Satz, den man recht häufig antrifft, wenn jemand verstorben ist, verfolgt mich seit einigen Wochen.

Physisch ist er sicherlich passend, emotional für mich jedoch ganz und gar nicht.

Mein geliebter Großvater starb letztes Jahr im Juli und auch wenn ich ihn nicht mehr umarmen kann, so ist er immer noch da.
Er ist da, wenn ich eine der selteneren Euro-Münzen in die Hände bekomme und sie zur Seite lege, um sie im später mitzubringen.
Er ist da, wenn ich eine Zahlenspielerei entdecke und ihm davon erzählen will.
Er ist da, wenn ich über ein besonderes Wort stolpere, welches ich ihm dann schenken möchte.
Er ist da, wenn ich eine Frage zu Chemie oder Physik habe.
Er ist da, wenn ich die Nachrichten schaue und mich mit ihm über Politik und Wirtschaft austauschen will.
Er ist jeden Tag da, in meinen Gedanken, in meinem Herzen.

Und er fehlt! Aber er bleibt lebendig durch diese Gedanken.

Deswegen fließt mir auch immer mal wieder was dazu durchs Herz über die Hand aufs Papier, bzw. auf den Bildschirm. Seit seinem Tod habe ich aber nichts mehr über meinen Großvater hier veröffentlicht. Es fühlte sich nicht richtig an.

Neulich schrieb ich dann einen Text, der die anderthalb Jahre bis zu seinem Tod noch einmal nachzeichnete. Mir war danach, ihn zu teilen, aber eben auch nicht hier. Einen Tag später lief mir dann das #1000Tode Projekt von Frau Frohmann über den Weg. Ich finde die Grundidee dieses Projekts, sich mit dem Tod aus ganz vielen verschiedenen Perspektiven aus auseinanderzusetzen, großartig, denn in meinen Augen ist der Tod viel zu sehr Tabu-Thema geworden und dass obwohl er ja nun leider mal zum Leben einfach dazu gehört. Zusätzlich gehen die Autoren- und Herausgeberanteile am Erlös als Spende an das Kinderhospiz Sonnenhof in Berlin-Pankow. Trefflicher hätte das wohl nicht ausgesucht werden können.

In diesem Kontext empfand ich meinen Text angemessen aufgehoben und schrieb Frau Frohmann an, ob ich auch meinen Text einreichen könne. Ich konnte. Nun ist also die dritte Version von #1000Tode erhältlich und meinen Text findet man unter Nummer 320. Ich werde ihn ganz bewusst hier (noch?) nicht veröffentlichen, es fühlt sich immer noch nicht ganz richtig an. Mal sehen, ob das so bleibt.

Ich möchte an dieser Stelle noch anmerken, wie sehr mich Frau Frohmann mit ihrem Einsatz und ihrer Herangehensweise beeindruckt. Sie wird bei jedem Text, den sie erhält zwangsläufig mit Tod und Trauer konfrontiert, ich kann nur ahnen, wie schwierig es ist, die Balance zwischen „Selbstschutzmauer bauen“ und „nicht kalt dabei werden“ zu finden. Ich kenne Frau Frohmann nicht, ich weiß nicht, wie sie damit umgeht, wie schwer ihr das fällt, aber ich habe einen tiefen Respekt für diese Leistung und vor allem die Bereitschaft, sich dem auszusetzen. Nicht jeder der bisher von mir gelesenen Texte hat mich zum Weinen gebracht, aber viele. Wer weiß, wie es ihr dabei ergeht.

Zum emotionalen Inhalt kommt noch der unfassbar große Umfang des Projektes hinzu. Ich alleine habe drei direkte Emailwechsel mit ihr gehabt, und vermute, dass sich das noch am unteren Ende der möglichen Skala befindet.
Anfrage – Bestätigung
Text – Korrekturen
Korrekturbestätigung/Frage – Bestätigung

Wenn man von 100 neuen Texten zwischen Version 2 und 3 ausgeht (ich glaube tatsächlich waren es knapp über 100), sind das also allein schon 300 gelesene und 300 geschriebene Emails. Selbst bei einer vermutlich schon unrealistisch betrachteten Durchschnittszeit von 10 Minuten pro Email landet man bereits bei 100 Stunden. Hinzu kommt die durchschnittliche Lesezeit pro Text fürs Lektorat, ich vermute, dass das im Vergleich zum „normalen Lesen“ mindestens die doppelte, vermutlich eher dreifache wenn nicht sogar vierfache Zeit dauert. (Ich habe keinerlei Erfahrungswerte und bauchfühl-rate hier nur so laienhaft rum.) Aber nehmen wir einmal an, ein Text könne in 30 Minuten lektoriert werden, so lägen wir mit 100 Texten bereits bei weiteren 50 Stunden. Bei 100 neuen Texten kämen wir also auf ein Minimum von 150 Stunden Arbeit. Minimum! Ich glaube ja, dass das um Längen mehr sein muss, da der Aufgabenumfang zweifelsohne deutlich größer ist. Uff! Und es lagen ja nur wenige Wochen zwischen den beiden Versionen.

Frau Frohmann, ich ziehe meinen Hut vor Ihnen und danke Ihnen aus tiefstem Herzen dafür, unseren Toden ein angemessenes Zuhause zu geben.

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